Brutto- vs. Nettorendite
Was ist der unterschied zwischen brutto und netto rendite?
Brutto- vs. Nettorendite erklärt: Warum die ausgewiesene Rendite eines Fonds nicht deine Rendite ist — und wie Kosten und Steuern aus einem scheinbar kleinen Unterschied über Jahrzehnte einen großen machen.
Die Bruttorendite ist die Performance, die ein Fonds oder Index ausweist — vor allen Abzügen. Die Nettorendite ist das, was auf deinem Konto wirklich ankommt, nachdem Kosten und Steuern abgegangen sind. Die ausgewiesene Rendite eines Produkts ist nie deine persönliche Rendite; zwischen beiden liegt eine Kette stiller Abzüge, die du selten vollständig auf einer Rechnung siehst.
Was hier steht
Die Ausweisrendite eines Fonds ist eine Rechengröße des Anbieters. Deine Nettorendite ist eine Größe deines Vermögens. Zwischen beiden liegen Fondskosten, Orderkosten und Steuern — jeder Posten für sich klein, in der Summe und über die Zeit aber entscheidend.
Das Missverständnis ist weitverbreitet und teuer: Wer die Zahl aus der Fondsbeschreibung mit der Zahl auf seinem Konto vergleicht und die Differenz für einen Rechenfehler hält, irrt. Die Differenz ist kein Fehler. Sie ist das System.
Die vier Stufen zwischen Ausweis und Konto
| Stufe | Was abgeht | Wer es bestimmt |
|---|---|---|
| 1. Ausweisrendite | nichts — sie steht vor allen Abzügen | Fonds oder Index |
| 2. Fondskosten | laufende Gebühr (TER) | Anbieter |
| 3. Orderkosten | Provision und Spread bei jedem Kauf und Verkauf | du und dein Broker |
| 4. Steuern | auf Ausschüttungen und realisierte Gewinne | dein Steuersatz |
Erst nach der letzten Stufe steht deine Nettorendite.
Warum ein kleiner Prozentsatz ein großer Unterschied ist
Kosten wirken nicht linear, sondern umgekehrt zusammengesetzt: Was du jährlich abziehst, entzogen sich dem Zinseszins in gleicher Weise, wie es dem investierten Kapital erhalten bleibt.
Beispiel: 20 Jahre, 7 Prozent Bruttorendite, 40.000 Euro Einsatz
- Ohne Kosten und Steuern: 40.000 × 1,07^20 ≈ 154.787 Euro
- Mit 0,5 Prozent Fondskosten im Jahr: 40.000 × 1,065^20 ≈ 140.946 Euro
- Mit weiteren 0,3 Prozent Orderkosten und Steuerabzug: 40.000 × 1,062^20 ≈ 133.214 Euro
Aus scheinbaren 0,8 Prozentpunkten im Jahr werden über zwei Jahrzehnte knapp 21.600 Euro Unterschied. Pro Jahr gesehen kaum sichtbar, über die Zeit erheblich.
Warum die Ausweisrendite dich systematisch übersteigt
Ein Fonds darf die Gebühren, die er dir abzieht, nicht in seiner Ausweisrendite zeigen, und er kennt deine persönliche Steuersituation nicht. Deshalb kann die Bruttorendite gar nicht anders, als deine Nettorendite zu übersteigen — sie ist per Definition die schönere Zahl.
Nettorendite vs. reale Rendite
Die Nettorendite zieht Kosten und Steuern ab, rechnet aber weiter in nominalen Euro. Die reale vs. nominale Rendite zieht zusätzlich die Inflation ab und zeigt, ob deine Kaufkraft wirklich steigt. Beide rechnen deinen Erfolg ehrlicher als die Bruttorendite — und beide sind nötig.
Vergleiche Produkte nie über die Bruttorendite. Rechne mit der kosten- und steuerbereinigten Zahl, oder noch besser: mit der realen Nettorendite über deinen echten Horizont. Nur sie sagt dir, ob dein Vermögen nach allem, was du bezahlst, tatsächlich wächst.