Mechanismus

Rendite

Was ist rendite?

Rendite bezeichnet den Anlageerfolg bezogen auf das eingesetzte Kapital und wird üblicherweise als Prozentzahl pro Jahr angegeben. Sie beantwortet die Frage: Was hat das investierte Kapital in einem bestimmten Zeitraum erwirtschaftet? Die absolute Rendite in Euro sagt dabei wenig aus, weil sie ohne Bezugsgröße nicht vergleichbar ist. Erst die relative Rendite, als Quotient aus Gewinn und eingesetztem Kapital, macht Anlagen unterschiedlicher Größe und Laufzeit vergleichbar.

Einsteiger-Block

Du legst 1.000 € an. Ein Jahr später ist dein Depot 1.070 € wert. Deine absolute Rendite beträgt 70 €, deine relative Rendite 7 Prozent. Ob das gut oder schlecht ist, hängt vom Vergleichsmaßstab ab: 7 Prozent nominale Jahresrendite nach Kosten vor Steuern sind für ein breit gestreutes Aktienportfolio historisch im Rahmen, für ein Tagesgeldkonto wäre es außergewöhnlich, für eine einzelne Wachstumsaktie dagegen unterdurchschnittlich.

Die Rendite allein trifft keine Aussage darüber, wie viel Risiko dafür eingegangen wurde. Zwei Portfolios können denselben Renditewert ausweisen und dabei vollständig unterschiedliche Schwankungsbreiten und Drawdown-Profile haben.

Arithmetisches vs. geometrisches Mittel

Hier liegt eine der häufigsten Fehlinterpretationen. Wenn ein Portfolio im ersten Jahr 50 Prozent gewinnt und im zweiten Jahr 50 Prozent verliert, berechnet das arithmetische Mittel einen Durchschnitt von null Prozent. Das tatsächliche Ergebnis ist aber ein Verlust von 25 Prozent: 1.000 € wachsen auf 1.500 €, fallen dann auf 750 €.

Die geometrische Rendite (auch CAGR, Compound Annual Growth Rate) berücksichtigt diesen Effekt, weil sie auf dem tatsächlichen Endvermögen basiert. Für die Beurteilung realer Anlageergebnisse ist das geometrische Mittel immer die korrekte Kennzahl. Das arithmetische Mittel überschätzt die tatsächlich erzielte Rendite systematisch, vor allem bei volatilen Portfolios.

Formel CAGR: CAGR = (Endwert / Anfangswert)^(1/n) − 1, wobei n die Anzahl der Jahre ist.

TTWROR vs. IZF

Wer regelmäßig in einen Sparplan einzahlt, stößt auf eine weitere Unterscheidung. Der zeitgewichtete Zinsfuß (TTWROR, Time-Weighted Rate of Return) misst die Portfoliorendite unabhängig von Zeitpunkt und Höhe der Einzahlungen. Er ist der richtige Maßstab, um die Leistung eines Fondsmanagers oder eines Indexes zu beurteilen, weil externe Kapitalflüsse herausgerechnet werden.

Der interne Zinsfuß (IZF, Internal Rate of Return) dagegen berücksichtigt genau diese Kapitalflüsse und gibt an, welche Rendite der Anleger persönlich auf seinen konkreten Einsatz erzielt hat. Wer kurz vor einem Kurseinbruch eine große Einmalanlage getätigt hat, wird einen deutlich niedrigeren IZF ausweisen als der TTWROR desselben Produkts, weil das Timing schlecht war, obwohl der Fonds sich gut entwickelt hat.

Für die persönliche Finanzplanung ist der IZF relevanter. Für den Vergleich von Anlageprodukten ist der TTWROR der richtige Wert.

Brutto- vs. Nettorendite

Die in Prospekten und Vergleichen ausgewiesene Rendite ist fast immer eine Bruttorendite: vor Kosten, vor Steuern, manchmal vor Inflation. Für den Anleger zählt ausschließlich die Nettorendite nach allen Abzügen.

Typische Abzüge:

  • Fondskosten (TER): 0,07 bis 2,0 Prozent p.a., je nach Produkt
  • Transaktionskosten beim Kauf und Verkauf
  • Abgeltungssteuer von 26,375 Prozent auf realisierte Gewinne und Ausschüttungen, nach Teilfreistellung bei Aktienfonds
  • Inflation: reduziert die Kaufkraft der erzielten nominalen Rendite

Eine Bruttorendite von 8 Prozent kann nach 1,5 Prozent Fondskosten, 26,375 Prozent Steuern auf den verbleibenden Gewinn und 2,5 Prozent Inflation zur realen Nettorendite von unter 3 Prozent werden. Das ist kein Ausnahmefall, sondern die Realität vieler aktiv verwalteter Fonds.

Total Return vs. Kursrendite

Die Kursrendite berücksichtigt nur die Veränderung des Marktpreises. Die Total-Return-Rendite addiert außerdem alle Ausschüttungen (Dividenden, Zinsen) und geht davon aus, dass diese sofort wieder investiert werden. Vergleiche ohne diese Unterscheidung sind wertlos: Indizes wie der DAX werden als Total-Return-Index berechnet und schneiden im Vergleich mit einem Kursindex wie dem MSCI World (der oft als Price Index zitiert wird) systematisch besser aus, weil der DAX Dividenden einrechnet.

Wer Rendite präzise liest, fragt bei jeder Angabe vier Fragen: Brutto oder netto? Arithmetisch oder geometrisch? Kursrendite oder Total Return? Nominal oder real? Erst wenn alle vier Dimensionen geklärt sind, ist ein Renditevergleich valide. Die meisten öffentlich kommunizierten Renditezahlen beantworten nur die erste Dimension, und das meistens zugunsten des Anbieters.