Rechner · Investieren · 18. Oktober 2026
Portfolio-Backtest für ETFs: 100 Jahre Marktdaten, dein Portfolio darin.
Ein Backtest beantwortet keine Fragen über die Zukunft. Aber er zeigt, wie Asset-Mischungen, Rebalancing-Strategien und Entnahmeraten in vergangenen Krisen reagiert hätten, mit Monatsdaten seit 1926 und bis zu drei Portfolios parallel.
Rückblick, keine Prognose
Ein Backtest zeigt, wie ein Portfolio vergangene Krisen überstanden hätte, nicht wie es die nächsten übersteht.
- Monatsdaten seit
- 1926
- Portfolios gleichzeitig
- bis zu drei
- Entnahmerate im 30-Jahres-Backtest
- 4 %
Wo Backtests ehrlich helfen
Ein Backtest ist keine Prognose. Er ist eine empirische Übung: Wie hätte ein bestimmter Asset-Mix die Krisen der vergangenen 100 Jahre überstanden, von 1929 über 2008 und 2020 bis zu den Zinserhöhungen 2022? Der Rechner simuliert das mit Monatsdaten, bis zu drei Portfolios gleichzeitig, inklusive Sparplan, Rebalancing und Entnahmeplan.
Was 100 Jahre US-Aktienmarkt zeigen
Seit Juli 1926 brachte der breite US-Aktienmarkt inklusive Dividenden im Schnitt 10,4 % pro Jahr in US-Dollar. Gerade war der Weg nie: In der Weltwirtschaftskrise fiel der Markt um 83,7 %, bis zum alten Höchststand vergingen nominal 15 Jahre, 5 Monate. Trotzdem endete jeder 20-Jahres-Zeitraum seit 1926 im Plus, der schlechteste (1929 bis 1949) mit 1,8 % pro Jahr. Krisen, rollierende Zeiträume und die Sicht eines Euro-Anlegers seit 1999 stehen auf der Datenseite US-Aktien seit 1926.
Was ein Anleihenanteil kostet und bringt, zeigt der Aktien-Anleihen-Mix im Backtest: Seit 1962 verlor ein 60/40-Portfolio im schlimmsten Fall 29,9 % statt 50,3 % bei reinen Aktien und brachte 9,0 % statt 10,7 % pro Jahr.
Über die USA hinaus zeigt Weltaktien seit 1990 sieben Regionen im Vergleich: Aktien der Industrieländer brachten seit 1990 8,5 % pro Jahr in US-Dollar, im schlimmsten Fall fielen sie um 53,6 %.
Warum nicht direkt mit ETF-Kursen?
Populäre UCITS-ETFs wie VWCE, EUNL oder SXR8 existieren erst seit 2009 bis 2019. Für aussagekräftige Backtests über mehrere Marktzyklen sind diese Reihen zu kurz. Der Rechner mappt ETF-Ticker auf ihre zugrunde liegenden Total-Return-Indizes: VWCE auf FTSE All-World (ab 2003), EUNL auf MSCI World Total Return EUR (ab 1978). So entstehen historisch saubere Zeitreihen, die die Praxis der Indexnachbildung widerspiegeln.
Was die Simulation berücksichtigt
Abgeltungssteuer (25 % plus Soli), Teilfreistellung (30 % für Aktien-ETFs), Sparerpauschbetrag (1.000 € pro Person) und die Vorabpauschale sind als vereinfachtes Modell nach heutigen Regeln enthalten, mit FIFO-Verkäufen und Verlustverrechnung. Ordergebühren fallen bei jedem Kauf und Verkauf an, auch ohne Steuern. Nicht abgezogen sind laufende Fondskosten (TER) und Spreads, weil die langen Reihen Indizes sind. Je nach ETF macht die TER etwa 0,1 bis 0,3 Prozentpunkte pro Jahr aus.
Wo Backtests trügen
Backtests haben strukturelle Grenzen. Survivorship Bias (verschwundene Fonds und Indizes werden nicht mitgezählt), regulatorische Brüche, geänderte Steuersysteme und nicht wiederholbare Marktbedingungen verzerren historische Renditen nach oben. Die ehrliche Lesart: Ein Portfolio, das einen 30-Jahres-Backtest mit einer Entnahmerate von 4 % überlebt hat, war historisch robust. Das ist kein Garant für die nächsten 30 Jahre.
Was der Rechner anbietet
Sechs vorkonfigurierte Portfolios als Einstieg: VWCE 100 % (FTSE All-World), das 70/30-Portfolio aus MSCI World und Emerging Markets, S&P 500 100 % (lange US-Indexhistorie), NASDAQ-100 als Technologie-Fokus, der Ray Dalio All Weather (30 % Aktien, 55 % US-Treasuries, 15 % Gold) und der Norwegische Staatsfonds (71 % Aktien, 26 % Anleihen, 3 % Immobilien nach GPFG-Vorbild). Alle sind frei anpassbar. Rebalancing wahlweise monatlich, quartalsweise, jährlich oder gar nicht, mit direktem Effekt auf Rendite und Drawdown.
Häufige Fragen
Mit welchen Daten rechnet der Backtest?
Monatsdaten für den US-Aktienmarkt inklusive Dividenden seit 1926 (Kenneth R. French Data Library, als Näherung für den S&P 500), MSCI World Total Return EUR seit 1978, DAX seit 1959, US-Staatsanleihen seit 1962 (Modell aus Renditen der Federal Reserve) sowie ergänzende Reihen für Emerging Markets und Rohstoffe. ETF-Ticker werden auf ihren zugrunde liegenden Index gemappt (VWCE auf FTSE All-World, EUNL auf MSCI World), damit historisch lange Zeitreihen entstehen.
Warum keine echten ETF-Kurse, sondern Indizes?
Populäre UCITS-ETFs wie VWCE, EUNL oder SXR8 existieren erst seit 2009 bis 2019. Für aussagekräftige Backtests über mehrere Marktzyklen sind diese Reihen zu kurz. Der Rechner verwendet die zugrunde liegenden Total-Return-Indizes und bildet die ETF-typische Indexnachbildung damit historisch sauber ab.
Berücksichtigt der Rechner Steuern und Kosten?
Ja, als vereinfachtes Modell nach heutigen Regeln: Abgeltungssteuer (25 % plus Solidaritätszuschlag), Teilfreistellung (30 % für Aktien-ETFs), Sparerpauschbetrag (1.000 € pro Person) und Vorabpauschale mit FIFO-Verkäufen. Ordergebühren rechnet der Backtest als höchsten Wert aus Fixbetrag, Volumenanteil und Mindestgebühr, auch ohne Steuern. Laufende Fondskosten (TER) und Spreads sind nicht abgezogen, weil die langen Reihen Indizes sind.
Wie aussagekräftig ist ein Backtest für die Zukunft?
Begrenzt. Survivorship Bias, regulatorische Brüche und nicht wiederholbare Marktbedingungen verzerren historische Renditen nach oben. Der Backtest beantwortet keine Fragen über die Zukunft, hilft aber zu verstehen, wie Asset-Mischungen, Rebalancing-Strategien und Entnahmeraten in vergangenen Krisen reagiert hätten.
Was ist eine Safe Withdrawal Rate?
Die Safe Withdrawal Rate ist der jährliche Entnahmeanteil, mit dem ein Portfolio historisch jeden 30-Jahres-Zeitraum überlebt hätte. Die klassische 4-Prozent-Regel stammt aus US-Daten ab 1926. Der Rechner simuliert die Entnahme mit deinen Annahmen zu Rendite und Inflation, als feste Rechnung und als Monte-Carlo-Simulation, und zeigt zusätzlich, wie die Entnahme in historischen Zeitfenstern verlaufen wäre.
Stand 18. Oktober 2026. Historische Renditen sind keine Garantie für zukünftige Wertentwicklungen. Backtests können durch Survivorship Bias, nicht replizierbare Marktbedingungen und fehlende Fondskosten Ergebnisse beschönigen. Der Rechner dient der Bildung und Analyse, nicht als Anlageberatung. Quellen: Kenneth R. French Data Library (US-Aktienmarkt, CRSP), Federal Reserve über FRED (Staatsanleihen, Wechselkurse), Eurostat (Inflation), MSCI sowie Yahoo Finance, Stooq und Alpha Vantage (Index- und ETF-Kurse).