Du hast zwei Wege, dein überschüssiges Kapital anzulegen. Auf der einen Seite ein weltweiter ETF-Sparplan: automatisch, diversifiziert, historisch rund 8 % Brutto pro Jahr in Euro. Auf der anderen Seite P2P-Kredite über Plattformen wie Mintos oder Viainvest: manuell diversifiziert, mit Ausfällen, aber oft 8 bis 12 % Brutto. Andere alternative Investments für Privatanleger sind eher selten. Die “European Long-Term Investment Funds” (ELTIFs), die auch Private Equity abbilden sollen, fasse ich jetzt mal mit ETF zusammen. Anleihen, die wirklich Rendite liefern, sind meist sehr spekulativ und unterliegen einem noch größeren Risiko als ETFs.
Die Frage ist nicht, ob ETFs oder P2P besser ist, sondern eher was passiert, wenn du beide über 10 Jahre vergleichst, und was das Ergebnis über die optimale Allokation aussagt. Und das schauen wir uns jetzt zahlenbasiert an.
Schlagen P2P-Kredite den ETF über 10 Jahre?
Ein fairer Vergleich muss drei Dinge tun. Erstens gleiche Zeithorizonte setzen, also realistisch sind 10 Jahre für beide Anlageklassen. Zweitens gleiche Ebenen wählen. Das heißt: Bruttozahlen umlegen in Nettozahlen nach Steuern und Ausfällen. Drittens die Risikostruktur benennen. Rendite ohne Risiko-Kontext ist nur halbe Information.
Die Ausgangsannahmen
| Kennzahl | P2P (defensiv) | P2P (offensiv) | MSCI World ETF |
|---|---|---|---|
| Bruttorendite p.a. | 8,0 % | 12,0 % | ~8,0 % |
| Abzgl. Ausfälle | 1,5 % | 3,0 % | bereits enthalten |
| Nach Ausfällen | 6,5 % | 9,0 % | ~8,0 % |
| Effektive Steuer | 26,4 %, jährlich | 26,4 %, jährlich | ~18,5 %*, beim Verkauf |
| Netto p.a. (effektiv) | 4,8 % | 6,6 % | ~6,9 % |
Aus 10.000 € werden in 10 Jahren:
- P2P defensiv (4,8 % netto p.a.): rund 15.980 €
- P2P offensiv (6,6 % netto p.a.): rund 18.950 €
- MSCI World (8,0 % brutto, Steuer beim Verkauf): rund 19.450 €
Diese Basisrechnung unterstellt einen wichtigen Punkt: Der Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr ist hier bereits ausgeschöpft, etwa durch andere Kapitalerträge oder ein größeres Depot. Das ist die ungünstigste Annahme für P2P, und sie ist bewusst gewählt: So lässt sich der reine Steuermechanismus zeigen, ohne dass ein Freibetrag das Bild verzerrt. Wie stark der Sparerpauschbetrag das Ergebnis bei kleinen Depots dreht, rechnet der Abschnitt Der Sparerpauschbetrag dreht das Bild weiter unten durch. Die Vorabpauschale bleibt der Übersicht halber außen vor.
In diesem Fall ist die Rechnung klar. Ein voll investierter MSCI World ETF schlägt beide P2P-Strategien. Offensives P2P kommt mit rund 500 € Abstand nah heran, bezahlt das aber mit höheren Ausfällen und mehr Verwaltungsaufwand. Das ist trotzdem kein Argument gegen P2P. Es ist ein Argument für ETF als Kernportfolio, sobald der Freibetrag weg ist. P2P ist kein ETF-Ersatz. P2P ist eine Beimischung.
Die Volatilität ist der versteckte Gewinn von P2P
Die obige Renditerechnung ist unvollständig, weil sie einen Faktor ignoriert: den Unterschied in der Pfadabhängigkeit.
Ein MSCI World ETF kann in 10 Jahren aus 10.000 € rund 19.450 € machen. Er kann aber auch deutlich weniger liefern, wenn der Zeitraum von einem schweren Crash geprägt ist. Historisch hat der Index in solchen Phasen, etwa nach dem Dotcom-Hoch ab 2000 oder in der Finanzkrise 2008, zeitweise mehr als 40 % verloren, und auch im Pandemie-Crash 2020 ging es binnen Wochen um rund ein Drittel nach unten. Das ist real. Das ist psychologisch relevant.
P2P hat diese Art von Crash nicht. P2P hat keine börsenähnlichen Einbrüche. P2P hat Ausfälle, einzelne Kredite, einzelne Originatoren. Aber kein Portfolio, das in einer Woche 30 % verliert. Das ist kein kleiner Unterschied. Das ist der Unterschied zwischen „ruhig weiterinvestieren“ und „verkaufen oder durchbeißen“.
Ein Teil dieser Ruhe ist allerdings nur Optik. P2P-Forderungen werden nicht börsentäglich zu Marktpreisen bewertet. Wenn Kredite faul werden, zeigt dein Kontostand das oft erst Monate später. Die Volatilität ist also teilweise versteckt, nicht abwesend. Und P2P kann sehr wohl abrupt Geld vernichten: 2020 sind mehrere Plattformen komplett ausgefallen, dazu unten mehr.
Was das für die Allokation bedeutet
Wer ein Portfolio aus 80 % ETF und 20 % P2P aufbaut, bekommt die höhere Rendite des ETF-Kerns und die Glättung durch P2P. Gerechnet mit getrennten Töpfen ohne Rebalancing sieht das nach 10 Jahren so aus:
- ETF-Kern (8.000 €): wird zu rund 15.560 €
- P2P defensiv (2.000 €): wird zu rund 3.200 €
- Portfolio gesamt: rund 18.760 €
Das sind rund 700 € weniger als der volle ETF (19.450 €), aber mit deutlich weniger sichtbarer Pfadvolatilität. Mit offensivem P2P statt defensivem (aus 2.000 € werden rund 3.790 €) liegt die Mischung bei rund 19.350 €, nur noch rund 100 € hinter dem vollen ETF.
Die Steuern drehen den Vergleich
P2P und ETF werden unterschiedlich besteuert. Das ist kein Detail, das man nebenbei abhaken kann. Das ist ein struktureller Faktor, der über 10 Jahre mehrere tausend Euro ausmacht: Vor Steuern und Ausfällen sieht P2P mit 8 bis 12 % unschlagbar aus, danach nicht mehr.
P2P-Steuer: manuell, voll und jährlich
P2P-Zinserträge unterliegen der vollen Abgeltungsteuer mit 26,4 % (inkl. Soli, ohne Kirchensteuer). Es gibt keine Teilfreistellung. Und die Steuer fällt jedes Jahr auf die Zinsen an, ein Stundungseffekt wie beim thesaurierenden ETF existiert nicht. Dazu kommt der Aufwand: Ausländische Plattformen führen keine deutsche Steuer ab, du musst alle Erträge selbst in der Anlage KAP erfassen.
ETF-Steuer: automatisch, reduziert und gestundet
ETF-Erträge laufen beim deutschen Broker automatisch durch die Kapitalertragsteuer. Drei Effekte senken die Last. Erstens die 30-prozentige Teilfreistellung für Aktienfonds: Der effektive Steuersatz liegt dadurch bei ca. 18,5 % statt 26,4 %. Zweitens die Steuerstundung: Beim thesaurierenden ETF fällt der Großteil der Steuer erst beim Verkauf an, bis dahin arbeitet das unversteuerte Geld weiter. Die jährliche Vorabpauschale ist nur eine kleine Mindestbesteuerung. Drittens der Sparerpauschbetrag, der Kapitalerträge bis 1.000 € pro Jahr freistellt. Dieser strukturelle Steuervorteil von ETFs gegenüber P2P fehlt in vielen Vergleichen.
Der Steuerunterschied in Zahlen
| Kennzahl | P2P defensiv | P2P offensiv | MSCI World ETF |
|---|---|---|---|
| Rendite nach Ausfällen | 6,5 % | 9,0 % | ~8,0 % |
| Effektiver Steuersatz | 26,4 % | 26,4 % | ~18,5 % |
| Steuerzeitpunkt | jährlich | jährlich | überwiegend beim Verkauf |
| Endwert nach Steuern (10 J.) | ~15.980 € | ~18.950 € | ~19.450 € |
Die Zahlen zeigen: Offensives P2P startet mit 12 % Bruttorendite, landet aber nach Ausfällen, voller Abgeltungsteuer und ohne Stundungseffekt rund 500 € hinter dem ETF, der brutto nur 8 % schafft. Defensives P2P bleibt deutlich zurück. Die 80/20-Mischung liegt dazwischen und glättet den Pfad.
Das gilt aber nur, solange der Sparerpauschbetrag bereits verbraucht ist. Genau dort entsteht der häufigste Denkfehler in solchen Vergleichen.
Der Sparerpauschbetrag dreht das Bild
Bis hierher war der Sparerpauschbetrag bewusst ausgeklammert. Das ist die für P2P ungünstigste Annahme, und sie ist nur für einen Teil der Anleger realistisch. Wer den Freibetrag noch frei hat, bekommt ein anderes Ergebnis, und zwar eines, das gegen die landläufige Intuition läuft.
Der Sparerpauschbetrag stellt Kapitalerträge bis 1.000 € pro Jahr und Person steuerfrei (2.000 € bei Zusammenveranlagung). Entscheidend ist der Zeitpunkt: Er gilt jedes Jahr neu und verfällt, wenn er nicht genutzt wird. Genau das passt zur Steuerstruktur von P2P. P2P-Zinsen fallen jährlich an und können den Freibetrag jedes Jahr aufs Neue ausschöpfen. Beim thesaurierenden ETF entsteht der große steuerpflichtige Ertrag dagegen erst beim Verkauf, der Freibetrag der Zwischenjahre verpufft weitgehend.
Damit kehrt sich der vermeintliche Nachteil von P2P ins Gegenteil. Die jährliche Besteuerung, eben noch das Hauptargument gegen P2P, wird zum Vorteil, sobald ein Freibetrag im Spiel ist.
Delta 1: kleines Depot, Freibetrag frei
Gleiche Annahmen wie oben, 10.000 € Startkapital, aber der Sparerpauschbetrag (1.000 €/Jahr, Single) steht voll zur Verfügung, weil keine anderen Kapitalerträge anfallen:
| Anlage | Ohne Freibetrag | Mit vollem Sparerpauschbetrag |
|---|---|---|
| P2P defensiv | ~15.980 € | ~18.700 € |
| P2P offensiv | ~18.950 € | ~22.500 € |
| MSCI World ETF | ~19.450 € | ~19.600 € |
Bei defensivem P2P bleiben die Zinsen die ersten Jahre komplett unter 1.000 €, es fällt also gar keine Steuer an. Erst spät, wenn der Zinsbetrag den Freibetrag übersteigt, wird überhaupt etwas fällig. Bei offensivem P2P ist der Effekt noch größer: Aus 18.950 € werden rund 22.500 €. Der ETF gewinnt dagegen kaum dazu, weil sein Freibetrag erst beim Verkauf greift und in den Zwischenjahren ungenutzt verfällt.
Das Ergebnis dreht die Reihenfolge um: Offensives P2P (rund 22.500 €) liegt jetzt klar vor dem ETF (rund 19.600 €), defensives P2P (rund 18.700 €) nur noch knapp dahinter.
Delta 2: großes Depot, Freibetrag ausgeschöpft
Sobald der Freibetrag weg ist, sei es durch ein großes Depot oder durch andere Kapitalerträge, verliert P2P diesen Vorteil. Dann zählt nur noch der Steuermechanismus, und der spricht für den ETF. Dieselbe Rechnung mit 100.000 € Startkapital, Sparerpauschbetrag bereits anderweitig verbraucht:
| Anlage | Endwert nach Steuern (10 J.) |
|---|---|
| P2P defensiv (4,8 % netto) | ~159.800 € |
| P2P offensiv (6,6 % netto) | ~189.500 € |
| MSCI World ETF (effektiv 6,9 % netto) | ~194.500 € |
Hier greift der Freibetrag von 1.000 € pro Jahr kaum noch spürbar, weil er gegenüber den absoluten Erträgen klein ist. Übrig bleibt die strukturelle Steuerlogik: Teilfreistellung und Steuerstundung verschaffen dem ETF einen Vorsprung, den selbst offensives P2P mit 12 % Bruttorendite nicht mehr aufholt.
Beide Deltas zusammen ergeben die ehrliche Antwort: Bei kleinen Depots mit freiem Sparerpauschbetrag kann P2P den ETF schlagen, vor allem in der offensiven Variante. Bei großen Depots oder ausgeschöpftem Freibetrag gewinnt der ETF. Wer pauschal sagt „ETF ist immer steuergünstiger“ oder „P2P bringt mehr Rendite“, verschweigt die jeweils andere Hälfte.
Gegenrechnung: Was, wenn die Ausfälle nur halb so hoch sind?
Ein berechtigter Einwand von P2P-Fans lautet: Die angesetzten Ausfälle von 1,5 bis 3,0 % sind konservativ. Wer breit über Originatoren streut und nur Plattformen mit Rückkaufgarantie und solider Historie nutzt, liegt real oft darunter. Drehen wir also an genau dieser Stellschraube und halbieren die Ausfälle, alles andere bleibt gleich (Steuer jährlich, Freibetrag ausgeschöpft, also der für P2P ungünstigste Fall):
| Anlage | Ausfälle wie oben | Ausfälle halbiert |
|---|---|---|
| P2P defensiv | ~15.980 € | ~16.800 € |
| P2P offensiv | ~18.950 € | ~21.000 € |
| MSCI World ETF | ~19.450 € | ~19.450 € |
Das verschiebt das Bild an der entscheidenden Stelle: Offensives P2P (rund 21.000 €) zieht jetzt am ETF (19.450 €) vorbei, und zwar sogar im steuerlich ungünstigsten Szenario mit verbrauchtem Freibetrag. Defensives P2P holt auf, bleibt aber knapp dahinter. Die Ausfallquote ist also kein Nebenfaktor, sie ist neben der Steuer die zweite große Stellschraube. Wer sie real um die Hälfte drückt, kann den strukturellen ETF-Vorteil ausgleichen.
Der Haken bleibt: Niedrige Ausfälle sind nicht garantiert, sondern das Ergebnis von Arbeit (Originator-Auswahl, Streuung, Monitoring) und von einem ruhigen Marktumfeld. Genau in der Krise, wenn es darauf ankommt, steigen die Ausfälle, nicht umgekehrt.
Die Risiken: drei Ebenen, ein klares Bild
Ein fairer Vergleich muss die Risiken benennen. Nicht als Angstmacher, sondern als Kontext.
ETF-Risiken
- Marktrisiko: Der MSCI World kann in einzelnen Jahren 20 bis 40 % fallen. Das ist historisch belegt, nicht spekulativ.
- Konzentrationsrisiko: Die größten 10 Werte des MSCI World machen rund ein Viertel des Index aus, der US-Anteil liegt bei rund 70 %. Das ist kein Weltportfolio im wörtlichen Sinne, sondern ein Industrieländer-Index mit US-Übergewicht.
- Währungsrisiko: Durch das hohe US-Gewicht hängt ein großer Teil der Rendite am US-Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen Euro und US-Dollar können das Ergebnis kurz- bis mittelfristig um mehrere Prozentpunkte verschieben, unabhängig von der Fondswährung.
P2P-Risiken
- Einzelkreditrisiko: Jeder einzelne Kredit kann ausfallen. Diversifikation auf Hunderte Kredite dämpft die Wirkung eines einzelnen Ausfalls deutlich, die erwartete Ausfallquote bleibt aber bestehen.
- Originator-Risiko: Wenn ein Kreditgeber (Loan Originator) ausfällt, betrifft das alle Kredite dieser Quelle. Reduzierbar durch Originator-Diversifikation.
- Plattform-Risiko: Wenn eine Plattform ausfällt, ist das Kapital gesperrt oder verloren. 2020 kollabierten Envestio, Kuetzal und Grupeer, für viele Anleger mit Totalverlust. Reduzierbar durch Plattform-Diversifikation, eliminierbar ist es nicht.
- Liquiditätsrisiko: P2P-Sekundärmärkte sind klein und trocknen in Stressphasen aus. 2020 und 2022 haben Plattformen Auszahlungen gedrosselt. Das ist kein theoretisches Risiko, das ist historisch passiert.
- Systemisches Risiko: Keine Einlagensicherung. Die Regulierung der Plattformen ist deutlich jünger und weniger erprobt als die von Börsen und Fonds. Ein Totalausfall großer Teile der Asset-Klasse ist möglich, wenn auch unwahrscheinlich.
Der Risikovergleich
| Risiko | ETF | P2P (defensiv) | P2P (offensiv) |
|---|---|---|---|
| Marktrisiko (Crash) | Hoch | Niedrig | Niedrig |
| Einzelkreditrisiko | Gering (pro Wert) | Gering (diversifiziert) | Mittel (weniger Kredite) |
| Originator-/Plattformrisiko | Entfällt | Mittel | Höher |
| Liquiditätsrisiko | Niedrig (börsentäglich) | Mittel | Höher |
| Steuerliche Komplexität | Niedrig | Hoch | Hoch |
| Sichtbare Pfadvolatilität | Hoch | Niedrig | Mittel |
Was die Backtests sagen (und was sie nicht sagen)
Ein Portfolio-Backtest mit historischen Daten kann keine Zukunft vorhersagen. Er kann aber zeigen, wie verschiedene Allokationen in verschiedenen Marktphasen abgeschnitten hätten.
Das 2016-2026-Szenario
Der Zeitraum 2016 bis 2026 umfasst einen vollständigen Marktzyklus: Aufschwung, Pandemie-Crash 2020, Inflationsphase 2022, Erholung 2023 bis 2026. P2P-Plattformen wie Mintos haben diese Phase mit Bruttorenditen zwischen 8 und 12 % durchlaufen, wobei die Ausfallraten in der Pandemiephase zeitweise erhöht waren.
| Allokation | Endwert nach Steuern (10 J.) | Max. Drawdown (historisch) |
|---|---|---|
| 100 % ETF | ~19.450 € | ~-34 % (März 2020) |
| 80/20 (defensiv) | ~18.760 € | ~-27 % |
| 70/30 (defensiv) | ~18.410 € | ~-24 % |
| 80/20 (offensiv) | ~19.350 € | ~-27 % |
Die Drawdown-Werte der Mischungen sind dabei rechnerisch heruntergeskaliert und unterstellen, dass die P2P-Seite selbst keinen sichtbaren Einbruch hat. Das ist genau die Optik, vor der weiter oben gewarnt wurde: P2P-Forderungen werden nicht börsentäglich bewertet, der reale Wertverlust in einer Krise zeigt sich erst zeitverzögert oder über einen Auszahlungsstopp. Der ausgewiesene Drawdown der Mischung ist also eher ein Buchwert-Drawdown als ein echtes Maß für das eingegangene Risiko.
Die Zahlen sind modellhaft. Sie zeigen Tendenzen, keine Garantien, und sie unterstellen, dass die P2P-Seite ohne Plattformausfall durchläuft. Aber sie zeigen eines klar: Die 80/20-Mischung mit defensivem P2P glättet den sichtbaren Pfad spürbar und kostet dafür nur rund 700 € im 10-Jahres-Ergebnis. Das ist ein niedriger Preis für ruhigere Nerven, solange man weiß, dass ein Teil der Ruhe nur fehlende Marktbewertung ist.
Die Entscheidung: wie du deinen Anteil findest
Es gibt keine universell richtige P2P-Allokation. Die richtige Allokation hängt von drei Dingen ab: deiner Volatilitätstoleranz, deinem Renditeziel und deiner Fähigkeit, bei Ausfällen nicht die Nerven zu verlieren.
Der ruhige Kern: 10 % P2P, 90 % ETF
Du willst primär am globalen Wirtschaftswachstum teilnehmen, mit minimalem Verwaltungsaufwand. P2P ist eine kleine Beimischung, die den Pfad minimal glättet, aber kaum Rendite beiträgt. Ideal, wenn du ETF zum ersten Mal verstehst und P2P nur testen willst.
Der ausgewogene Mix: 20 % P2P, 80 % ETF
Du willst die höhere Rendite des ETF-Kerns, akzeptierst aber, dass 20 % deines Portfolios in eine andere Asset-Klasse gehen. Du bist bereit, P2P-Erträge manuell zu deklarieren und deine Kredite zu diversifizieren. Das ist das Gleichgewicht für die meisten informierten Anleger.
Der aktive Mix: 30 % P2P, 70 % ETF
Du willst P2P als signifikanten Renditetreiber. Du akzeptierst das höhere Originator- und Plattformrisiko, den höheren Steuer- und Verwaltungsaufwand. Und du akzeptierst, dass im Worst Case 30 % des Portfolios betroffen sind. Das ist eine bewusste Entscheidung, keine Standardeinstellung.
Fazit: Beide. Aber mit klaren Rollen.
Ob P2P den MSCI World ETF über 10 Jahre schlägt, hängt am Sparerpauschbetrag. Bei ausgeschöpftem Freibetrag, also bei großen Depots, gewinnt der ETF auch gegen die aggressive P2P-Strategie: einfacher, steuergünstiger durch Teilfreistellung und Steuerstundung, renditestärker. Ist der Freibetrag dagegen frei, kann offensives P2P den ETF bei kleinen Depots übertreffen, weil es den jährlichen Freibetrag voll ausnutzt. Den Preis zahlt P2P in beiden Fällen mit mehr Ausfällen, mehr Verwaltungsaufwand und versteckter Pfadunsicherheit.
Aber der volle ETF hat Drawdowns von 30 % und mehr. Nicht jeder hält das durch. Und genau da kommt P2P ins Spiel. Nicht als ETF-Ersatz. Als Glättung. Als Beimischung, die den Pfad ebnet, ohne die Kernrendite des weltweiten ETF-Portfolios aufzugeben.
Die Rechnung ist klar. Die Risikostruktur ist benannt. Die Entscheidung ist deine.
Quellen
- Crowdfunding und Crowdlending: Verbraucherinformationen
- Mintos Statistics: Loan Performance 2020-2026
- Statistiken und Performance-Daten
- MSCI World Index Factsheet
- § 20 Investmentsteuergesetz (Teilfreistellung)
- § 20 Abs. 9 Einkommensteuergesetz (Sparerpauschbetrag)
- Anlage KAP zur Einkommensteuererklärung
- Eigene Berechnungen auf Basis der genannten Annahmen (10.000 € und 100.000 € Startkapital, 10 Jahre)