Mechanismus

Diversifikation

Was ist diversifikation?

Diversifikation richtig verstanden: Was sie wirklich schützt, was nicht, und warum 1000 Aktien im Crash genauso fallen wie 20. Mit Visualisierung.

Diversifikation reduziert Risiko, aber nur eine bestimmte Art davon. Sie eliminiert das unsystematische Risiko: unternehmensspezifische Ereignisse wie Bilanzskandal, Produktrückruf oder CEO-Abgang. Das systematische Risiko, also das Marktrisiko, das alle Assets gleichzeitig trifft, bleibt vollständig erhalten. Ein 1.000-Aktien-Portfolio fällt im nächsten Crash genauso wie ein 20-Aktien-Portfolio, wenn die Korrelation zum Markt hoch ist.

Einsteiger-Block

Du hältst Aktien von fünf verschiedenen Autobauern. Wenn einer einen Skandal hat, verlierst du 20 Prozent, aber die anderen vier fangen das ab. Wenn Diesel verboten wird, fallen alle fünf. Dagegen hilft nur Diversifikation über Branchen, Länder und Asset-Klassen hinweg.

Ein MSCI-World-ETF mit 1.600 Unternehmen hat praktisch kein unsystematisches Risiko mehr. Er trägt nur noch Weltmarktrisiko, und das lässt sich nicht weiter wegdiversifizieren.

Die Kurve zeigt, wie Portfoliovolatilität abnimmt, wenn du mehr Assets hinzufügst. Ab ca. 20–30 Assets ist der Effekt marginal.

Der abnehmende Grenznutzen

Die Effektivität der Diversifikation folgt einer Kurve mit abnehmendem Grenznutzen. Von einem auf zehn Assets ist der Effekt riesig: die Volatilität halbiert sich fast. Von zehn auf zwanzig Assets ist der Effekt noch deutlich, von zwanzig auf fünfzig kaum noch messbar. Ab etwa 20 bis 30 nicht korrelierten Assets ist das unsystematische Risiko praktisch eliminiert.

Häufige Missverständnisse

Wer zehn ETFs hält, glaubt oft, besonders breit aufgestellt zu sein. Wenn diese zehn ETFs alle den MSCI World oder ähnliche Indizes tracken, ist die effektive Diversifikation minimal. Man hält dann zehn Positionen in denselben 1.600 Unternehmen, mit höherem administrativem Aufwand.

Mehr Assets führen auch nicht automatisch zu mehr Diversifikation. Das unsystematische Risiko ist nach ca. 20 bis 30 Assets praktisch eliminiert. Weitere Positionen bringen keinen messbaren Vorteil mehr und erhöhen nur die Verwaltungskomplexität.

Wer Diversifikation versteht, fragt bei jedem neuen ETF-Kauf nicht “Was ist das?”, sondern: “Wie hoch ist die Korrelation zu dem, was ich bereits habe?” Ein Technologie-ETF zusätzlich zum MSCI World konzentriert das Portfolio, weil die Tech-Übergewichtung im MSCI World bereits vorhanden ist.

Den direkten Vergleich zweier global diversifizierter Indizes, inklusive Unterschieden bei USA-Anteil, Emerging Markets und TER, erklärt der Artikel MSCI World vs. FTSE All-World.