Einlagensicherung
Wie sicher ist mein geld bei der bank?
100.000 Euro pro Bank und Einleger sind gesetzlich geschützt: was das konkret bedeutet, wenn du Neobroker nutzt, mehrere Konten hast oder Geld in ETF liegt.
Die gesetzliche Einlagensicherung schützt Bankguthaben bis 100.000 € pro Institut und Anleger EU-weit. Wer mehr hat, sollte es auf mehrere Banken aufteilen. Entscheidend zu verstehen: ETF und Wertpapiere sind kein Bankguthaben und brauchen diese Absicherung nicht: Sie sind Sondervermögen, rechtlich getrennt vom Vermögen der Bank. Neobroker-Nutzer müssen wissen, wo ihr Cash liegt und wo ihre Wertpapiere.
Was genau geschützt ist
Die Einlagensicherung (EU-Richtlinie 2014/49/EU, in Deutschland durch den Einlagensicherungsfonds und die gesetzliche Pflichtabsicherung umgesetzt) schützt:
- Girokonten
- Tagesgeldkonten
- Festgeldkonten
- Sparbücher
Grenze: 100.000 € pro Person pro Institut (nicht pro Konto). Wer zwei Konten bei derselben Bank hat, ist trotzdem nur mit 100.000 € total gesichert.
Ausnahme: Bestimmte Lebensereignisse erlauben vorübergehend höheren Schutz (z.B. Immobilienverkauf, Erbschaft, Heiratsauflösung): bis 500.000 € für maximal 6 Monate.
Was NICHT unter die Einlagensicherung fällt
ETF und Aktien: Diese sind Sondervermögen, sie gehören dem Anleger, nicht der Bank oder dem Broker. Bei einer Insolvenz des Brokers werden die Wertpapiere nicht zur Insolvenzmasse, sondern an die Kunden übertragen oder auf einen anderen Broker portiert.
Geldmarktfonds: Ebenfalls Sondervermögen. Kein Einlagenschutz nötig, aber vorhanden.
Zertifikate und Inhaberschuldverschreibungen: Diese sind keine Sondervermögen. Sie sind Schuldverschreibungen des Emittenten und unterliegen dem vollen Emittentenrisiko. Bei Bankinsolvenz: Totalverlust möglich (→ Lehman 2008).
Neobroker im Detail
Die drei meistgenutzten Neobroker in Deutschland haben unterschiedliche Strukturen:
Trade Republic:
- Eigene Banklizenz seit 2023 (BaFin-reguliert)
- Verrechnungskonto direkt bei Trade Republic Bank
- Einlagensicherung: 100.000 € auf das Verrechnungskonto
- Wertpapiere: Sondervermögen bei Clearstream
Scalable Capital:
- Kein Bankstatus; Brokerlizenz
- Verrechnungskonto bei der Baader Bank
- Einlagensicherung: 100.000 € bei der Baader Bank (gilt für alle Scalable-Kunden kumuliert pro Bankinstitut; prüfen, welches Institut)
- Wertpapiere: Sondervermögen
Flatex / flatex Degiro:
- Eigene Banklizenz
- Verrechnungskonto bei Flatex Bank
- Einlagensicherung: 100.000 €
Was bei einer Broker-Insolvenz passiert
- Wertpapiere (ETF, Aktien): Die BaFin ernennt einen Abwickler. Wertpapiere werden identifiziert und an Kunden übertragen oder zu einem anderen Broker portiert. Kein Verlust, aber der Prozess dauert Wochen bis Monate.
- Cash auf dem Verrechnungskonto: Fällt unter die Einlagensicherung bis 100.000 €. Darüber hinaus: Insolvenzforderung.
- Zertifikate / Schuldverschreibungen: Fallen in die Insolvenzmasse. Verlust möglich.
Praktische Konsequenzen
Über 100.000 € Cash bei einer Bank: → Aufteilen auf mehrere Banken oder in Geldmarktfonds (Sondervermögen, kein Limit)
ETF-Depot über 100.000 €: → Kein Handlungsbedarf, Sondervermögen ist nicht durch die Einlagensicherungsgrenze begrenzt
Zertifikate im Depot: → Emittentenrisiko prüfen; bei Banken mit schwachem Rating: überdenken
Die häufigste Fehlannahme: „Mein ETF-Depot ist nicht sicher, weil der Broker pleite gehen könnte.” Falsch. ETF sind Sondervermögen und bei einer Brokerinsolvenz vollständig geschützt. Die Einlagensicherung schützt das Girokonto, nicht das Depot. Wer das versteht, weiß, worüber er sich Gedanken machen muss: über Cash-Bestände über 100.000 € bei einer einzigen Bank, nicht über sein ETF-Portfolio.