Effektivkosten
Was bedeuten effektivkosten bei der rentenversicherung?
Effektivkosten erklärt: um wie viele Prozentpunkte alle Kosten eines Vorsorgeprodukts deine Rendite pro Jahr senken, wo die Zahl steht und was ein Prozentpunkt über 30 Jahre am Endkapital kostet.
Effektivkosten geben an, um wie viele Prozentpunkte die jährliche Rendite eines Vorsorge- oder Anlageprodukts durch die eingerechneten Kosten sinkt. Sie fassen Abschluss-, Vertriebs-, Verwaltungs- und Fondskosten in einer Zahl zusammen und machen Produkte mit unterschiedlicher Kostenstruktur vergleichbar.
Einsteiger-Block
Eine Rentenversicherung kostet nicht nur eine Gebühr. Da sind Abschluss- und Vertriebskosten, laufende Verwaltungskosten, Kosten der Fonds im Vertrag und manchmal feste Euro-Beträge pro Jahr. Jeder Posten wird anders berechnet, mal auf die Beiträge, mal auf das Guthaben. Einzeln kann man sie kaum vergleichen.
Die Effektivkosten übersetzen all das in eine einzige Zahl: die Minderung der Rendite pro Jahr. Bringen die Anlagen im Vertrag vor Kosten 6,0 Prozent und betragen die Effektivkosten 1,5 Prozent, bleiben dir 4,5 Prozent. Englisch heißt die Kennzahl Reduction in Yield.
Die Zahl hängt von der Laufzeit ab. Einmalige Abschlusskosten verteilen sich bei einem langen Vertrag auf mehr Jahre als bei einem kurzen. Vergleiche Effektivkosten deshalb nur zwischen Angeboten mit derselben Laufzeit.
Wo die Zahl steht
Bei Lebens- und Rentenversicherungen, bei denen die Leistung sicher fällig wird, müssen die Anbieter dir die Effektivkosten vor Vertragsabschluss mitteilen (§ 2 Abs. 1 Nr. 9 VVG-InfoV). Die Zahl reicht bis zum Beginn der Auszahlungsphase, Kosten in der Rentenphase sind darin nicht enthalten. Für zertifizierte Altersvorsorge- und Basisrentenverträge wie Riester- und Rürup-Verträge gibt es zusätzlich ein individuelles Produktinformationsblatt, das du vor Vertragsabschluss bekommen musst (§ 7 AltZertG).
Für das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 gibt es sogar eine Obergrenze: Im Standarddepot dürfen die Effektivkosten in der Ansparphase höchstens 1 Prozent betragen. Was das im Vergleich zu einem selbst geführten ETF-Depot bedeutet, zeigt der Artikel Altersvorsorgedepot 2027 und der Altersvorsorgedepot-Rechner.
Fortgeschrittene-Ebene
Ein Beispiel zeigt, warum kleine Prozentwerte große Beträge sind. 10.000 Euro Einmalbeitrag, 30 Jahre, 6 Prozent Rendite vor Kosten. Die Rendite nach Kosten ist 6 Prozent minus Effektivkosten, verzinst wird jährlich.
| Effektivkosten | Endkapital | gegenüber ohne Kosten |
|---|---|---|
| 0,0 % | 57.435 € | |
| 0,2 % | 54.271 € | −5,5 % |
| 1,0 % | 43.219 € | −24,8 % |
| 1,5 % | 37.453 € | −34,8 % |
| 2,0 % | 32.434 € | −43,5 % |
Ein Prozentpunkt Effektivkosten kostet über 30 Jahre rund ein Viertel des Endkapitals. Das liegt am Zinseszins: Kosten nehmen dir nicht nur die Rendite eines Jahres, sondern auch alle Erträge, die darauf später entstanden wären.
Die Kennzahl hat Grenzen. Sie beruht auf kalkulierten Kosten und einer angenommenen Wertentwicklung, nicht auf nachträglich gemessenen Werten. Wer eine Versicherung mit einem ETF-Sparplan vergleicht, setzt beim ETF die laufenden Kosten, Transaktionskosten und eventuelle Depotgebühren an, siehe TER vs. Tracking Difference.
Häufige Missverständnisse
1,5 Prozent Effektivkosten sind nicht 1,5 Prozent vom Endkapital. Sie wirken jedes Jahr, und über 30 Jahre summiert sich das im Beispiel auf mehr als ein Drittel.
Effektivkosten und TER sind nicht dasselbe. Die TER eines Fonds umfasst nur dessen laufende Kosten, nicht die Kosten des Versicherungsmantels drumherum.
Niedrige Effektivkosten machen ein Produkt nicht automatisch gut. Im Artikel bAV: leider ein Verlustgeschäft liegt eine betriebliche Altersvorsorge auch mit 0,6 Prozent Kosten noch deutlich hinter dem ETF, weil Abgaben im Alter und eine geringere gesetzliche Rente mitspielen.
Frag bei jedem Vorsorgeangebot zuerst nach den Effektivkosten und stell sie den Gesamtkosten eines ETF-Sparplans gegenüber. Jeder Prozentpunkt Unterschied kostet dich über 30 Jahre rund ein Viertel des Endkapitals. Ob sich eine konkrete Entgeltumwandlung trotzdem rechnet, prüfst du im bAV-vs-ETF-Rechner.