Riester-Rente
Lohnt sich die riester rente?
Staatliche Zulagen klingen verlockend, aber nach Kosten, nachgelagerter Besteuerung und verpasster ETF-Rendite rechnet sich Riester für die meisten Anleger nicht.
Die Riester-Rente kombiniert staatliche Zulagen und Steuervorteile mit einer Kapitalgarantie und klingt nach einem Rundum-Paket. Durchschnittliche Produktkosten von 1,5 bis 2,5 % p.a. fressen die Zulagen jedoch auf, die Kapitalgarantie erzwingt konservative Anlagestrategien mit mageren Realrenditen, und im Rentenalter wird jeder Euro der Auszahlung mit dem vollen persönlichen Steuersatz versteuert. Für die meisten sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer ohne Kinder ist ein günstiger ETF-Sparplan langfristig überlegen.
Einsteiger-Block
Der Staat zahlt dir 175 € Grundzulage pro Jahr, wenn du in einen Riester-Vertrag einzahlst. Das klingt nach kostenlosem Geld. Dein Riester-Anbieter verlangt im Schnitt 1,8 % p.a. an Kosten. Auf 20.000 € Vertragsguthaben sind das 360 € jährlich, mehr als doppelt so viel wie die Grundzulage. Im Alter wird die Rente dann voll besteuert. Am Ende zahlst du mehr, als du an Zulagen bekommen hast.
Was Riester verspricht, und was es kostet
Die staatliche Förderung besteht aus 175 € Grundzulage pro Jahr, 185 € pro Kind (300 € für nach 2008 geborene Kinder) und der Möglichkeit, Beiträge bis 2.100 € als Sonderausgaben abzusetzen.
Was die meisten übersehen: Der Steuervorteil beim Einzahlen wird beim Auszahlen vollständig zurückgefordert. Die Auszahlung im Rentenalter ist zu 100 % mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern, nicht mit dem Abgeltungssteuersatz von 25 %, sondern mit dem vollen Grenzsteuersatz von typischerweise 22 bis 30 % auch als Rentner.
Die Kostenrealität
Laut einer Studie des Bundes der Versicherten betragen die durchschnittlichen Effektivkosten bei klassischen Riester-Versicherungen 1,5 bis 2,5 % p.a. Zum Vergleich kostet ein MSCI-World-ETF 0,10 bis 0,20 % p.a.
| Riester-Versicherung | ETF-Sparplan | |
|---|---|---|
| Kosten p.a. | 1,8 % | 0,15 % |
| Kostenunterschied | +1,65 % p.a. | |
| Schaden über 30 Jahre | ca. 40.000 € auf 300 €/Monat |
Die Kapitalgarantie ist der Hauptkostentreiber. Sie zwingt Versicherer, Beiträge konservativ in Anleihen und Geldmarkt anzulegen. In den letzten Jahren haben viele Riester-Fonds real nicht einmal die Inflation geschlagen.
Für wen Riester trotzdem rechnen kann
Riester ist für eine enge Zielgruppe attraktiv.
Geringverdiener mit mehreren Kindern erhalten Zulagen, die einen erheblichen Teil des Mindestbeitrags decken. Der Eigenbeitrag ist gering, die Förderquote hoch.
Beamte zahlen keine Rentenversicherung und können über Riester in die staatlich geförderte Säule einzahlen, mit höherem persönlichen Steuervorteil durch den hohen Grenzsteuersatz und ohne GRV-Verlust durch Entgeltumwandlung.
Wer Riester-Kapital zur Eigenheimfinanzierung nutzt (Wohnriester), umgeht die Rentenbesteuerungsproblematik teilweise. Auch hier zählen aber die Produktkosten.
Was bei Kündigung passiert
Wer seinen Riester-Vertrag kündigt, muss alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Bei Beitragsfreistellung bleiben die bisherigen Zulagen erhalten, neue Zulagen entfallen. Vor einer Kündigung sollte man immer ausrechnen, ob der Rückkaufswert nach Rückforderung der Zulagen noch positiv ist. Bei früh abgeschlossenen Verträgen mit hohen Abschlusskosten kann der reale Verlust erheblich sein.
Riester vs. ETF: Ein Zahlenvergleich
Annahme: 35-jährige Angestellte, 40.000 € Bruttojahreseinkommen, keine Kinder, 30 Jahre Laufzeit
| Riester-Fondssparplan | ETF-Sparplan | |
|---|---|---|
| Monatlicher Eigenbeitrag | 80 € | 80 € |
| Staatliche Zulage | +175 €/Jahr | |
| Kosten p.a. | 1,5 % | 0,15 % |
| Angenommene Bruttorendite | 5 % | 7 % |
| Endkapital (brutto) | ca. 60.000 € | ca. 94.000 € |
| Besteuerung Auszahlung | ca. 25 % (Rentensteuersatz) | ca. 18,5 % (Abgeltungssteuer nach Teilfreistellung) |
| Netto-Endkapital | ca. 45.000 € | ca. 82.000 € |
Die Zulage von 175 €/Jahr macht einen Unterschied von ca. 5.000 € über 30 Jahre. Der Kostennachteil von ca. 37.000 € dominiert.
Der Nachfolger: Altersvorsorgedepot ab 2027
Die Bundesregierung hat die Riester-Rente faktisch begraben. Das Altersvorsorgedepot (geplanter Start 01.01.2027) ersetzt Riester durch ein gefördertes Wertpapierdepot. Anleger können direkt in ETFs investieren, mit staatlicher Förderung, aber ohne die strukturellen Nachteile der alten Riester-Architektur.
Das ändert die Rechnung grundlegend. In unserem Tiefenvergleich kommt das Altersvorsorgedepot für einen 30-jährigen Arbeitnehmer mit 150 €/Monat auf 36.297 € mehr Netto-Endkapital gegenüber einem eigenen ETF-Depot, nach allen Steuern und Kosten. Für Familien mit zwei Kindern beträgt der Vorteil sogar 89.161 €.
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Die Riester-Rente ist ein politisches Produkt, das mit einer mathematischen Logik vermarktet wird, die nur für eine kleine Minderheit aufgeht. Die Faustregel: Wer nicht zu den klaren Gewinnergruppen gehört (Geringverdiener mit Kindern, Beamte), ist mit dem günstigsten ETF-Sparplan in fast jedem Szenario besser dran. Ab 2027 ändert sich das Bild: Das Altersvorsorgedepot kombiniert staatliche Förderung mit direkten ETF-Investments und ist für die meisten Arbeitnehmer die erste staatlich geförderte Altersvorsorge, die den Vergleich mit dem eigenen Depot ernst nehmen muss.