Miete ist rausgeworfenes Geld
Ist miete rausgeworfenes geld?
Miete ist rausgeworfenes Geld? Der Satz stimmt nur, wenn du vergisst, was Eigentümer ebenfalls nie wiedersehen: Zinsen, Instandhaltung, Grundsteuer, Kaufnebenkosten und die Rendite ihres Eigenkapitals.
„Miete ist rausgeworfenes Geld“ ist die verbreitete Annahme, dass Mieter ihr Geld verlieren, während Käufer mit jeder Rate Vermögen aufbauen. Sie vergleicht die volle Miete mit der Tilgung, obwohl auch Eigentümer laufend Geld ausgeben, das nicht zurückkommt.
Einsteiger-Block
Der Satz klingt einleuchtend. Die Miete ist jeden Monat weg, die Kreditrate dagegen fühlt sich an wie Sparen, weil am Ende eine eigene Wohnung steht. Genau hier liegt der Denkfehler: Nur ein Teil der Kreditrate baut Vermögen auf. Der Rest ist so weg wie die Miete.
Eine Kreditrate besteht aus Zins und Tilgung. Die Tilgung verringert deine Schulden und ist damit tatsächlich Vermögensaufbau. Der Zins ist der Preis dafür, dass du das Geld der Bank nutzt. Er kommt nie zurück, genauso wenig wie die Miete.
Dazu kommen Kosten, die nur Eigentümer haben:
- Instandhaltung für Dach, Heizung und Fenster, siehe Instandhaltungskosten
- Grundsteuer
- Kaufnebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notar und Makler, einmalig beim Kauf, siehe Kaufnebenkosten
- die Rendite, die dein Eigenkapital anderswo verdient hätte, siehe Opportunitätskosten
Der faire Vergleich lautet deshalb nicht Miete gegen Kreditrate, sondern Miete gegen die Kosten des Eigentums, die ebenfalls nicht zurückkommen.
Woher der Mythos kommt
Die Miete ist sichtbar: ein fester Betrag, jeden Monat, ohne Gegenwert auf dem Papier. Die Kosten des Eigentums sind verteilt, teils einmalig, teils unregelmäßig, und die entgangene Rendite des Eigenkapitals taucht auf keinem Kontoauszug auf. Unser Kopf bucht die Kreditrate auf ein anderes Konto als die Miete, obwohl beide zum Teil reiner Aufwand sind. Diesen Effekt beschreibt Mental Accounting.
Ein wahrer Kern bleibt. Wer kauft, wohnt im Alter ohne Miete, ist vor Eigenbedarfskündigung und Mieterhöhungen geschützt und spart durch die Rate oft disziplinierter. Das sind echte Vorteile, aber sie haben einen Preis, der in die Rechnung gehört.
Fortgeschrittene-Ebene
Ein Beispiel mit den Annahmen aus dem Artikel Mieten oder Kaufen 2026, gerechnet für den ersten Monat: Kaufpreis 400.000 Euro, Eigenkapital 80.000 Euro, Kaufnebenkosten 40.000 Euro, Kredit 320.000 Euro zu 4,05 Prozent auf 30 Jahre, Instandhaltung 1 Prozent vom Kaufpreis im Jahr, Grundsteuer 50 Euro im Monat, vergleichbare Miete 1.200 Euro, Rendite einer Geldanlage 6 Prozent nach Steuern.
| Posten im ersten Monat | Betrag | kommt zurück? |
|---|---|---|
| Tilgung | 457 € | ja, als geringere Schuld |
| Zins | 1.080 € | nein |
| Instandhaltung | 333 € | nein |
| Grundsteuer | 50 € | nein |
| Monatsbelastung gesamt | 1.920 € | |
| entgangene Rendite auf 80.000 € Eigenkapital | 400 € | nein |
Schon Zins, Instandhaltung und Grundsteuer ergeben zusammen 1.463 Euro im Monat und liegen damit über der Miete von 1.200 Euro. Mit der entgangenen Rendite des Eigenkapitals sind es 1.863 Euro. Die 40.000 Euro Kaufnebenkosten kommen einmalig dazu.
Auf der anderen Seite steht die Wertsteigerung. Bei angenommenen 2,5 Prozent im Jahr wächst der Wert der Immobilie im ersten Jahr um rund 833 Euro pro Monat. Ob sie so eintritt, ist die eigentliche Wette beim Kauf. Diese Momentaufnahme ersetzt keine Rechnung über die ganze Laufzeit, die im Artikel und im Mieten-vs-Kaufen-Rechner steht.
Häufige Missverständnisse
Die Kreditrate ist nicht mit der Miete vergleichbar. Nur der Tilgungsanteil ist Sparen, der Zinsanteil ist Aufwand wie die Miete.
Nach der Abzahlung wohnst du nicht kostenlos. Instandhaltung und Grundsteuer bleiben, im Beispiel des Artikels Eigenheim als Altersvorsorge rund 383 Euro im Monat.
Wertsteigerung ist nicht sicher. Sie ist die Annahme, an der die Rechnung für den Kauf am stärksten hängt.
Vergleiche nie die Miete mit der Kreditrate, sondern mit den Kosten des Eigentums, die nicht zurückkommen. Liegt die Miete darunter, baust du als Mieter Vermögen auf, wenn du die Differenz und dein Eigenkapital tatsächlich investierst.