Calmar Ratio
Was ist die calmar ratio und wie wird sie berechnet?
Calmar Ratio einfach erklärt: Rendite-pro-Drawdown-Tiefe als Risikokennzahl, Formel, Beispiel, Unterschied zur Sharpe Ratio und warum sie für Trendfolge-Strategien populär ist.
Die Calmar Ratio misst die annualisierte Rendite eines Portfolios im Verhältnis zur Tiefe seines Maximum Drawdowns. Sie beantwortet die Frage: Wie viel Rendite pro Einheit „größter zwischenzeitlicher Verlust” hat eine Strategie historisch geliefert? Die Formel lautet Calmar = CAGR / |Maximum Drawdown|. Höhere Werte sind besser. Eingeführt 1991 von Terry W. Young, der den Namen aus seinem Newsletter „California Managed Account Reports” ableitete.
Einsteiger-Block
Zwei Portfolios haben über 20 Jahre dieselbe CAGR von 8 % pro Jahr erwirtschaftet. Portfolio A hatte in dieser Zeit einen Maximum Drawdown von 20 %, Portfolio B einen von 50 %. Welches war „besser”? Die nackte Rendite sagt: unentschieden. Die Calmar Ratio sagt: A war mit 8 % / 20 % = 0,4 deutlich überlegen gegenüber B mit 8 % / 50 % = 0,16. Für jemand, der nicht in der Mitte einer Krise verkauft, ist das eine reine Komfortfrage. Für die meisten realen Anleger ist es entscheidungsrelevant, weil tiefe Drawdowns Disziplin brechen.
Die Formel
Calmar Ratio = CAGR / |Maximum Drawdown|
Beide Eingaben werden als Dezimalzahlen oder beide als Prozent eingesetzt, wichtig ist Konsistenz. Der Maximum Drawdown geht als positiver Wert ein (Betrag des größten Peak-to-Trough-Verlusts). Standardmäßig wird die Calmar Ratio über einen Drei-Jahres-Zeitraum berechnet, in Portfolio-Backtests häufig über die volle Datenreihe.
Beispielrechnung
| Kennzahl | Portfolio A | Portfolio B |
|---|---|---|
| CAGR | 8,0 % | 8,0 % |
| Maximum Drawdown | −20 % | −50 % |
| Calmar Ratio | 0,40 | 0,16 |
Bei gleicher Rendite liefert A pro Einheit „akzeptiertem Drawdown” 2,5-mal so viel wie B. In der Praxis bedeutet das: Anleger A musste eine Halbierung des Drawdown-Risikos durchstehen, um auf dieselbe Endrendite zu kommen.
Calmar vs. Sharpe vs. Sortino
| Kennzahl | Nenner | Gewichtet wird |
|---|---|---|
| Sharpe Ratio | Volatilität (Standardabweichung aller Renditen) | Schwankungen nach oben und nach unten gleichermaßen |
| Sortino Ratio | Downside Deviation (Standardabweichung nur der Negativ-Renditen) | nur Verlust-Volatilität |
| Calmar Ratio | Maximum Drawdown | das einmalige Worst-Case-Ereignis |
Sharpe und Sortino mitteln über die gesamte Verteilung. Calmar reagiert auf den einen schlimmsten Moment. Trendfolge-Strategien und CTA-Hedge-Funds nutzen Calmar oft als bevorzugte Risikometrik, weil ihre Renditeverteilung typischerweise schiefe Verteilungen mit selten auftretenden, dafür extremen Verlustphasen aufweist.
Häufige Fehler
Calmar Ratio über zu kurze Perioden vergleichen. Bei einer Datenreihe ohne ausgeprägten Drawdown wird der Nenner klein, der Quotient explodiert. Eine Calmar Ratio von 5,0 über drei Jahre, die zufällig keine größere Korrektur enthielten, sagt nichts über Robustheit. Vergleichbar werden Calmar-Werte erst über mindestens einen Marktzyklus.
Calmar mit Sharpe verwechseln und gegeneinander aufrechnen. Beide haben dieselbe Richtung (höher = besser), aber unterschiedliche Stories. Ein Portfolio mit hoher Sharpe und schlechter Calmar ist häufig schwankend, hatte aber zufällig keinen großen Crash; ein Portfolio mit guter Calmar und mittelmäßiger Sharpe schwankt insgesamt mehr, vermied aber Tail-Risk-Events.
Vorzeichen des Drawdowns vergessen. Der Maximum Drawdown geht als positiver Wert in den Nenner ein. Wer −0,20 statt 0,20 einsetzt, bekommt negative Calmar-Werte und falsche Rangfolgen.
Calmar Ratio ist die ehrlichste Kennzahl für Anleger, die wissen, dass sie bei tiefen Drawdowns aussteigen würden. Sie misst nicht die durchschnittliche Schmerzhaftigkeit einer Strategie, sondern die schlimmste, und das ist näher an der tatsächlichen Anlegerpsychologie als jede volatilitätsbasierte Kennzahl. Wer eine Backtest-CAGR mit hervorragender Sharpe Ratio liest, aber die Calmar Ratio ignoriert, übersieht oft genau das Drawdown-Ereignis, das in der Realität zur Verkaufsentscheidung geführt hätte.