Sortino Ratio
Was ist die sortino ratio?
Sortino Ratio erklärt: Die Verbesserung der Sharpe Ratio, warum nur Downside-Volatilität bestraft werden sollte und wie du Portfolios fair vergleichst.
Die Sortino Ratio verbessert die Sharpe Ratio in einem spezifischen Punkt: Sie bestraft nur Downside-Volatilität (negative Abweichungen vom Zielwert), nicht alle Volatilität. Die Sharpe Ratio bestraft positive Ausreißer genauso wie negative, was für Anleger, die Gewinnschwankungen begrüßen, ökonomisch keinen Sinn ergibt. Formel: Sortino = (Portfolio-Rendite − Mindestrendite) / Downside-Deviation. Die Mindestrendite ist meist der risikofreie Zins oder eine selbst gesetzte Zielrendite (Minimum Acceptable Return, MAR). Alles darunter fließt in die Risikoberechnung ein. Alles darüber wird ignoriert.
Einsteiger-Block
Zwei Portfolios mit identischer Durchschnittsrendite von 8 % pro Jahr, aber unterschiedlichem Risikoprofil:
| Portfolio | Bestes Jahr | Schlechtestes Jahr | Standardabweichung | Downside-Deviation |
|---|---|---|---|---|
| A: Symmetrische ETF-Schwankungen | +18 % | −12 % | 10 % | 7 % |
| B: Asymmetrische Optionsstrategie | +25 % | −5 % | 10 % | 3 % |
Bei einem risikofreien Zins von 3 % ergibt sich:
- Sharpe Ratio: A = 0,50, B = 0,50 (identisch, weil Volatilität gleich)
- Sortino Ratio: A = 0,71, B = 1,67 (B ist klar überlegen)
Portfolio B begrenzt Verluste systematisch und akzeptiert dafür weniger extreme Gewinne. Die Sharpe Ratio bestraft diese Eigenschaft fälschlich, weil sie die positiven Ausreißer von Portfolio A genauso bewertet wie die negativen. Die Sortino Ratio zeigt, dass B für einen verlustaversen Anleger objektiv besser ist.
Formel und Berechnung
Die Downside-Deviation ist die Standardabweichung nur derjenigen Renditen, die unter der Mindestrendite (MAR) liegen. Renditen oberhalb der MAR werden auf null gesetzt und gehen mit null in die Quadratsumme ein.
Rechenbeispiel mit fünf Jahresrenditen und MAR = 0 %:
- Jahr 1: +15 % → 0 (über MAR)
- Jahr 2: −8 % → −8 in die Berechnung
- Jahr 3: +12 % → 0
- Jahr 4: −4 % → −4 in die Berechnung
- Jahr 5: +9 % → 0
Downside-Deviation = √((8² + 4²) / 5) ≈ 4,02 %. Bei einer Durchschnittsrendite von 4,8 % p. a. ergibt sich Sortino = 4,8 / 4,02 ≈ 1,19. Die klassische Sharpe Ratio würde alle fünf Renditen in die Standardabweichung einbeziehen und damit auf einen niedrigeren Wert kommen, obwohl die positiven Ausreißer für den Anleger eindeutig erwünscht sind.
Sharpe vs. Sortino in der Praxis
| Strategie | Verteilung der Renditen | Sortino vs. Sharpe |
|---|---|---|
| Globaler Aktien-ETF (MSCI World) | annähernd symmetrisch | weniger als 10 % Unterschied |
| 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen | leicht linksschief | 10–20 % Unterschied |
| Trendfolge-/Momentum-Strategie | rechtsschief (kleine Verluste, große Gewinne) | Sortino deutlich höher |
| Covered-Call-Strategie | linksschief (gekappte Gewinne, volle Verluste) | Sortino deutlich niedriger |
| Krypto, Einzelaktien | hohe Schiefe in beide Richtungen | Sortino weicht stark ab |
Für einen klassischen MSCI-World-Sparplan liefern Sharpe und Sortino fast identische Ergebnisse: Die Renditeverteilung ist annähernd normal. Für alles, was systematisch Verluste begrenzt (Trendfolge, Long-Volatilität) oder Verluste vergrößert (kurze Optionen, gehebelte Produkte), ist Sortino die fairere Kennzahl.
Häufige Missverständnisse
„Sortino > 1 ist immer gut, Sortino < 1 ist schlecht.” Wie bei der Sharpe Ratio ist der absolute Wert ohne Vergleichsmaßstab wenig aussagekräftig. In Bullenmärkten erreichen viele Portfolios Sortino-Werte über 2, in Bärenmärkten liegt selbst der MSCI World jahrelang unter 0,5. Sinnvoll ist nur der Vergleich zwischen Strategien im selben Marktumfeld.
„Eine hohe Sortino Ratio bedeutet niedriges Risiko.” Sortino misst risikoadjustierte Rendite relativ zu einer Mindestrendite, aber nicht das absolute Verlustrisiko. Ein Portfolio mit hohem Max Drawdown, das nur ein einziges Crash-Ereignis hatte, kann eine sehr gute Sortino Ratio aufweisen, weil die wenigen Ausreißer in der Downside-Deviation untergehen. Sortino und Max Drawdown sind komplementäre Kennzahlen, keine Alternativen.
„Die Sortino Ratio ersetzt die Sharpe Ratio.” Beide messen unterschiedliche Dinge. Die Sharpe Ratio bewertet, wie effizient ein Portfolio Schwankungen in Rendite umsetzt, sinnvoll bei symmetrischen Strategien. Sortino fragt, wie viel Rendite ein Portfolio pro Einheit Abwärtsrisiko liefert, sinnvoll bei asymmetrischen Strategien. Bei Fondsvergleichen lohnt es sich, beide Kennzahlen zu betrachten.
Die Sortino Ratio ist kein Ersatz für die Sharpe Ratio, sondern eine Ergänzung für asymmetrische Strategien. Für einen reinen MSCI-World-Sparplan liefert sie kaum neue Informationen, die Renditen sind nahezu symmetrisch verteilt und beide Kennzahlen bewegen sich parallel. Für alles, was systematisch Risiko nach unten begrenzt oder Verlustpotenzial einseitig erhöht, ist Sortino die fairere Bewertung. Wer Fonds, Strategien oder Trading-Ergebnisse anhand der Sharpe Ratio vergleicht, ohne nach der Verteilungsform zu fragen, bestraft systematisch Strategien mit positiver Schiefe und belohnt solche mit versteckter Linksschiefe (Covered Calls, kurze Volatilität, Carry-Trades). Der praktische Hebel: Wenn zwei Strategien dieselbe Sharpe Ratio haben, aber unterschiedliche Sortino-Werte, ist die mit höherem Sortino die ökonomisch bessere: Sie liefert die gleiche Rendite mit dem für einen verlustaversen Anleger besseren Risikoprofil.