Mechanismus

CAGR (Compound Annual Growth Rate)

Was ist cagr und wie wird sie berechnet?

CAGR (Compound Annual Growth Rate) einfach erklärt: Formel, Beispielrechnung, Unterschied zum arithmetischen Mittel und warum die Kennzahl ohne Drawdown-Kontext irreführen kann.

Die Compound Annual Growth Rate (CAGR) ist die geometrische, auf ein Jahr normierte Wachstumsrate eines Kapitalbestands über einen mehrjährigen Zeitraum. Sie beantwortet die Frage: Mit welcher konstanten jährlichen Rendite hätte derselbe Endwert aus dem Startwert wachsen müssen? Die Formel lautet CAGR = (Endwert / Startwert)^(1 / Jahre) − 1. Im Unterschied zum arithmetischen Mittel der Jahresrenditen berücksichtigt die CAGR den Zinseszinseffekt korrekt und ist die Standardkennzahl in jedem seriösen Portfolio-Backtest.

Einsteiger-Block

Du legst 10.000 € an und nach 10 Jahren stehen 18.000 € im Depot. Welche jährliche Rendite hattest du? Nicht 80 % geteilt durch 10, also nicht 8 % pro Jahr. Das wäre einfache Zinsrechnung ohne Zinseszins. Die richtige Antwort ist die CAGR: ca. 6,05 % pro Jahr. Hättest du tatsächlich jedes Jahr genau 6,05 % erwirtschaftet, ständen am Ende dieselben 18.000 € da.

Die CAGR glättet einen unregelmäßigen Renditeverlauf zu einer konstanten Wachstumsrate. Sie verschweigt damit alles über den Weg dorthin: Volatilität, zwischenzeitliche Verluste, die längste Verlustphase. Genau deshalb steht CAGR in jeder Backtest-Auswertung neben Maximum Drawdown und Volatilität, nicht allein.

Die Formel

CAGR = (Endwert / Startwert)^(1 / Jahre) − 1

Drei Eingaben: Startwert, Endwert, exakte Jahresdauer. Bei Backtests mit Monats- oder Tagesdaten wird die Jahresdauer aus der Differenz von Start- und Enddatum berechnet, nicht aus der Anzahl Datenpunkte geteilt durch 12. Das wird häufig falsch gemacht, weil Datenfeeds gelegentlich Quartalspunkte statt Monatspunkten liefern.

Beispielrechnung

JahrWertJahresrendite
010.000 €
112.500 €+25 %
211.000 €−12 %
314.300 €+30 %
413.585 €−5 %
517.000 €+25 %

CAGR: (17.000 / 10.000)^(1/5) − 1 = 1,7^0,2 − 1 ≈ 0,1118, also rund 11,2 % pro Jahr.

Arithmetisches Mittel der Jahresrenditen: (25 − 12 + 30 − 5 + 25) / 5 = 12,6 %.

Die 1,4 Prozentpunkte Differenz sind nicht Rundung. Sie sind der sogenannte Volatility Drag: Bei schwankenden Jahresrenditen liegt das geometrische Mittel immer unter dem arithmetischen, mathematisch zwingend nach der Jensen-Ungleichung.

CAGR vs. IRR vs. TWR

KennzahlWann gleich CAGRWann anders
CAGR
IRR (Internal Rate of Return)bei einmaligem Investment ohne Zu-/Abflüssebei Sparplan oder Entnahmeplan, weil IRR den Zeitpunkt jeder Zahlung gewichtet
TWR (Time-Weighted Return)bei einmaligem Investment ohne Zu-/Abflüssebei Sparplan/Entnahmen, weil TWR Cashflow-Effekte ausblendet (Fondsmanager-Vergleichskennzahl)

Für einen klassischen „Buy and Hold”-Backtest sind alle drei identisch. Sobald monatliche Sparraten oder Entnahmen ins Spiel kommen, divergieren sie. Die IRR ist dann die Kennzahl, die dein persönliches Ergebnis beschreibt; die CAGR auf das verzinste Kapital ignoriert die Cashflows.

Häufige Fehler

CAGR mit arithmetischem Mittel verwechseln. Klassisches Schulbeispiel: +50 % im ersten Jahr, −50 % im zweiten Jahr. Arithmetisches Mittel: 0 %. Tatsächliche CAGR: (1,5 × 0,5)^(1/2) − 1 = −13,4 % pro Jahr. Aus 10.000 € werden nach Jahr 2 nicht 10.000 € zurück, sondern 7.500 €. Wer in Presentations von „durchschnittlich 12 % Rendite” liest, sollte prüfen, welcher Durchschnitt gemeint ist.

CAGR auf zu kurze Zeiträume anwenden. Ein Jahr mit +30 % auf eine CAGR von 30 % p. a. zu hochrechnen, ist statistisch wertlos. Renditeschätzungen werden erst über 10+ Jahre einigermaßen stabil. Bei einem 3-Jahres-Backtest mit einer Boom-Phase steht oft eine zweistellige CAGR, die in keiner Weise erwartbar ist.

CAGR ohne Drawdown-Kontext interpretieren. Zwei Portfolios mit gleicher CAGR von 7 % können extrem unterschiedlich sein: Eines lief stetig durch, das andere hatte einen Maximum Drawdown von −60 %. Die meisten Anleger steigen bei tiefen Drawdowns aus und realisieren damit eine CAGR, die deutlich unter der Backtest-Zahl liegt. Wer CAGR liest, sollte automatisch nach Maximum Drawdown, Volatilität und der Sharpe Ratio fragen.

Nominale CAGR mit realer CAGR verwechseln. Eine MSCI-World-CAGR von 8 % über die letzten 40 Jahre klingt anders, wenn man die Inflation abzieht. Die reale CAGR ist die Kennzahl, die etwas über echten Kaufkraftaufbau aussagt.

CAGR ist die ehrlichste der einfachen Renditekennzahlen, weil sie den Zinseszinseffekt korrekt einrechnet. Sie ist zugleich die gefährlichste, weil sie ohne Kontext überlesbar wirkt. Eine CAGR ist immer paarweise zu lesen, mit dem Maximum Drawdown daneben und dem Zeitraum darüber. Wer eine 12 % CAGR über drei Jahre als Zukunftsversprechen verkauft, verschweigt, dass dieselbe Datenreihe über 30 Jahre vielleicht 6 % zeigt, mit zwei zwischenzeitlichen Halbierungen.

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