Jedes reine Elektroauto in Deutschland erzeugt eine handelbare CO2-Einsparung, und für diese Einsparung kannst du als Halter einmal im Jahr Geld bekommen. Viele lassen dieses Geld liegen, weil sie den Vorgang für kompliziert halten oder gar nicht wissen, dass es ihn überhaupt gibt.
Die Werbung einiger Vermittler verspricht weiterhin hohe Beträge, doch der Markt hat sich seit den Hochzeiten 2022 spürbar abgekühlt. Dieser Artikel rechnet mit dem Stand von Juni 2026 nach, was nach dem Preisverfall realistisch übrig bleibt und für wen sich der kleine Aufwand trotzdem lohnt.
Worum es in diesem Artikel geht
Drei Fragen führen durch den Text. Zuerst klären wir, was die THG-Quote überhaupt ist und wie aus deinem Ladestrom ein verkäufliches Zertifikat wird. Danach schauen wir auf die realen Beträge im Jahr 2026 und darauf, warum sie so stark gesunken sind. Zum Schluss geht es darum, wie du die Prämie ohne Fallstricke einsammelst und was sie für deine Gesamtkosten bedeutet.
Was die THG-Quote ist
Wer Kraftstoffe wie Benzin und Diesel in Verkehr bringt, muss die damit verbundenen Treibhausgase über eine gesetzlich festgelegte Quote mindern, die Treibhausgasminderungsquote. Diese Quote steigt von Jahr zu Jahr, und das im April 2026 vom Bundestag beschlossene Zweite Gesetz zur Weiterentwicklung der THG-Quote hebt sie weiter an. Wer die Vorgabe aus eigener Kraft nicht erfüllt, kann sich die Minderung von anderen anrechnen lassen, und genau hier kommt dein Auto ins Spiel.
Der Strom, mit dem du dein Elektroauto lädst, verursacht weniger Treibhausgase als der fossile Vergleichswert. Diese Einsparung wird dir pauschal zugerechnet und lässt sich als Zertifikat an die quotenpflichtigen Unternehmen verkaufen. Vermittler bündeln die Zertifikate vieler Halter und zahlen dir dafür die THG-Prämie.
Drei Bedingungen gelten dabei:
- Es zählen ausschließlich reine batterieelektrische Fahrzeuge, Plug-in-Hybride sind ausgeschlossen.
- Anspruch hat, wer im Fahrzeugschein als Halter eingetragen ist, auch bei einem Leasingfahrzeug.
- Pro Fahrzeug und Kalenderjahr lässt sich die Quote genau einmal verkaufen.
Warum die Prämie eingebrochen ist
Der Preis einer THG-Prämie folgt Angebot und Nachfrage. Je mehr Elektroautos auf den Straßen unterwegs sind, desto mehr Zertifikate kommen auf den Markt, und desto stärker sinkt der Preis pro Fahrzeug. In den Anfangsjahren 2022 und 2023 war das Angebot knapp und die Prämie entsprechend hoch, mit Beträgen von teils rund 300 bis 400 Euro pro Jahr.
Seitdem hat sich das Bild gedreht. Mit jedem weiteren Stromer ist der Markt voller geworden, und die festen Sofortprämien haben sich 2026 bei vielen Anbietern im niedrigen Bereich eingependelt, häufig zwischen rund 60 und 100 Euro. Einzelne Anbieter werben zwar weiter mit höheren Summen, doch diese Spitzenwerte sind meist an variable Modelle oder Bonusbedingungen geknüpft. Realistisch betrachtet ist die THG-Prämie heute ein nettes Zubrot mit überschaubarer Größenordnung.
Die Delta-Rechnung: was über die Haltedauer bleibt
Ob sich der Aufwand lohnt, zeigt erst die Summe über die Haltedauer. Nimm eine feste Jahresprämie von 90 Euro als realistischen Mittelwert für 2026 und rechne sie über eine typische Haltedauer hoch, die ungefähr der Akkugarantie von acht Jahren entspricht.
| Haltedauer | Prämie gesamt (bei 90 € pro Jahr) |
|---|---|
| 1 Jahr | 90 € |
| 4 Jahre | 360 € |
| 8 Jahre | 720 € |
Über acht Jahre summiert sich die Prämie damit auf rund 720 Euro. Das ist eine spürbare, aber überschaubare Größe, die du am besten an deinen laufenden Ladekosten misst.
Steuer: warum bei dir privat nichts abgezogen wird
Bei einem privat genutzten Elektroauto bleibt die THG-Prämie für dich steuerfrei. Lange war strittig, ob der Erlös als sonstige Leistung unter die 256-Euro-Freigrenze des § 22 Nummer 3 Einkommensteuergesetz fällt. Die Finanzverwaltung hat das inzwischen geklärt: Beim privaten Fahrzeug unterliegt die Prämie gar nicht der Einkommensteuer, sodass die Freigrenze hier keine Rolle spielt und der volle Betrag bei dir ankommt.
Anders sieht es aus, sobald das Fahrzeug zum Betriebsvermögen gehört oder als Firmenwagen läuft. Dann zählt die Prämie zu den Betriebseinnahmen und wird entsprechend versteuert. Bei gemischter oder gewerblicher Nutzung lohnt für die Details der Blick in die BMF-Vorgaben oder ein kurzes Gespräch mit dem Steuerberater.
So holst du die Prämie ohne Reue
Der Ablauf selbst ist in wenigen Minuten erledigt:
- Vergleiche mehrere Anbieter und achte dabei auf die Unterscheidung zwischen fester und variabler Prämie, auf den Auszahlungszeitpunkt und auf die Seriosität des Vermittlers.
- Lade ein Foto deiner Zulassungsbescheinigung Teil I hoch, auf der du als Halter eingetragen bist.
- Reiche den Antrag früh im Quotenjahr ein, damit du die Frist sicher einhältst und die Auszahlung nicht ins Folgejahr rutscht.
Was du jetzt konkret tun solltest
Wenn du bereits ein reines Elektroauto fährst, investiere die wenigen Minuten und sichere dir die Prämie für das laufende Jahr, mit einer nüchternen Erwartung an die Höhe. Plane den Betrag als kleinen jährlichen Bonus ein und nicht als Argument, das eine Kaufentscheidung trägt.
Wenn du den Kauf eines Stromers noch vor dir hast, halte die THG-Prämie und die staatliche Kaufprämie sauber auseinander, denn beide funktionieren völlig unterschiedlich. Wie die einmalige Kaufförderung 2026 wirkt und für wen sie sich rechnet, steht im Detail in unserer Analyse zur E-Auto-Förderung. Wie sich die laufenden Kosten eines Elektroautos gegen einen Verbrenner stellen, zeigt der Gebrauchtwagen-Vergleich von ID.3 und Golf.
FAQ
Wie viel THG-Prämie gibt es 2026?
Feste Sofortprämien liegen 2026 bei vielen Anbietern im niedrigen Bereich, häufig zwischen rund 60 und 100 Euro pro Fahrzeug und Jahr. Einzelne Angebote werben mit höheren Summen, die meist an variable Modelle gebunden sind. Die genauen Beträge schwanken tagesabhängig mit dem Zertifikatspreis.
Kann ich die Quote fürs letzte Jahr noch holen?
Das hängt vom Quotenjahr und vom jeweiligen Anbieter ab. Grundsätzlich gilt eine Antragsfrist innerhalb des laufenden Jahres, und ein verpasstes Jahr lässt sich in der Regel nicht nachholen. Reiche den Antrag deshalb früh im Jahr ein, statt ihn aufzuschieben.
Ist die THG-Prämie steuerpflichtig?
Bei einem privat genutzten Elektroauto ist die Prämie steuerfrei und unterliegt nicht der Einkommensteuer. Gehört das Fahrzeug zum Betriebsvermögen oder läuft es als Firmenwagen, zählt die Prämie zu den steuerpflichtigen Betriebseinnahmen.
Soll ich die feste oder die variable Prämie wählen?
Eine feste Prämie gibt dir Planungssicherheit und eine schnelle Auszahlung zu einem garantierten Betrag. Eine variable Prämie kann höher ausfallen, verlagert aber das Marktrisiko auf dich, da der endgültige Erlös erst nach dem Verkauf des Zertifikats feststeht.