Jedes reine Elektroauto in Deutschland erzeugt eine handelbare CO2-Einsparung, und für diese Einsparung kannst du als Halter einmal im Jahr Geld bekommen. Die gute Nachricht zum Jahresende: Die Prämie hat ihr Tief hinter sich gelassen und liegt bei festen Auszahlungen wieder bei über 300 Euro. Die wichtigere Nachricht ist die Frist. Das Quotenjahr 2026 ist praktisch gelaufen, die meisten Vermittler nehmen keine Anträge mehr an. Ab jetzt sicherst du dir das neue Quotenjahr 2027.
Dieser Artikel rechnet mit dem Stand von Ende Oktober 2026 nach, was die Prämie wirklich wert ist, warum sie sich 2026 so deutlich erholt hat und wie du Ende Oktober, November oder im Januar richtig handelst.
Worum es in diesem Artikel geht
Drei Fragen führen durch den Text. Zuerst klären wir, was die THG-Quote überhaupt ist und wie aus deinem Ladestrom ein verkäufliches Zertifikat wird. Danach schauen wir auf die realen Beträge für 2026 und 2027 und darauf, warum die Prämie erst eingebrochen und 2026 wieder gestiegen ist. Zum Schluss geht es um die Fristen: Was kannst du jetzt noch für 2026 holen, wie meldest du dich für 2027 an, und was ist steuerlich zu beachten?
Was die THG-Quote ist
Wer Kraftstoffe wie Benzin und Diesel in Verkehr bringt, muss die damit verbundenen Treibhausgase über eine gesetzlich festgelegte Quote mindern, die Treibhausgasminderungsquote. Diese Quote steigt kräftig weiter: Das im Juni 2026 verkündete Zweite Gesetz zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote hebt sie von 12 Prozent im Jahr 2026 auf 17,5 Prozent im Jahr 2027 und bis 2040 auf 65 Prozent. Wer die Vorgabe aus eigener Kraft nicht erfüllt, kann sich die Minderung von anderen anrechnen lassen, und genau hier kommt dein Auto ins Spiel.
Der Strom, mit dem du dein Elektroauto lädst, verursacht weniger Treibhausgase als der fossile Vergleichswert. Diese Einsparung wird dir pauschal zugerechnet und lässt sich als Zertifikat an die quotenpflichtigen Unternehmen verkaufen. Vermittler bündeln die Zertifikate vieler Halter und zahlen dir dafür die THG-Prämie.
Drei Bedingungen gelten dabei:
- Es zählen ausschließlich reine batterieelektrische Fahrzeuge, Plug-in-Hybride sind ausgeschlossen.
- Anspruch hat, wer im Fahrzeugschein als Halter eingetragen ist, auch bei einem Leasingfahrzeug.
- Pro Fahrzeug und Kalenderjahr lässt sich die Quote genau einmal verkaufen.
Erst eingebrochen, 2026 zurückgekommen
Der Preis einer THG-Prämie folgt Angebot und Nachfrage. In den Anfangsjahren 2022 und 2023 war das Angebot knapp, die Prämie lag bei teils rund 300 bis 400 Euro. Dann kam der Absturz: Zwischen 2023 und 2025 fiel der Marktpreis deutlich und blieb lange niedrig. Als Gründe nennen Marktbeobachter mehrere zusammenwirkende Faktoren: sehr viele Elektroautos auf einmal, zweifelhafte Biokraftstoff-Importe, die die Nachfrage nach sauberen Zertifikaten drückten, und Pflichtquoten, die sich für Mineralölkonzerne zu leicht erfüllen ließen. Feste Auszahlungen rutschten in einen Bereich, der die Mühe kaum noch lohnte.
2026 hat das Bild gedreht. Das neue Gesetz hat die Schlupflöcher verengt: Die Doppelanrechnung fortschrittlicher Biokraftstoffe ist entfallen, Palmöl ist ausgeschlossen, die Kontrollen werden strenger, und Quotenüberschüsse aus den Vorjahren dürfen nicht mehr in die Jahre 2025 und 2026 mitgenommen werden (§ 4a der 38. BImSchV). Zusammen mit der angehobenen Quote steigt die Nachfrage nach echten Einsparungen spürbar, und die Anbieter zahlen wieder deutlich mehr.
So sieht der Markt Ende Oktober 2026 aus:
- Feste Garantieprämien für E-Pkw liegen laut Marktvergleich meist zwischen rund 300 und 400 Euro. Die Spitze einiger Aktionen liegt darüber, beruht dann aber teils auf Gutscheinen statt barem Geld. Ohne Bonus sind aktuell über 300 Euro möglich.
- Die Vergleichsportale zeigen dieselbe Größenordnung: Der getestete Marktüberblick nennt für 2026 aktuell rund 350 Euro.
- Für das Quotenjahr 2027 haben erste Anbieter bereits im Oktober Preise genannt. Die Spanne reicht von rund 135 bis 400 Euro und ist damit noch deutlich weiter als 2026. Wer früh bucht, tauscht Sicherheit gegen die Chance auf einen späteren Besserpreis.
Wichtig zur Einordnung: Das sind Momentaufnahmen eines volatilen Marktes, keine Zusagen für die Zukunft. Die Auszahlungen der Anbieter gelten jeweils für ein einzelnes Quotenjahr.
Die Delta-Rechnung: was über die Haltedauer bleibt
Ob sich der Aufwand lohnt, zeigt erst die Summe über die Haltedauer. Nimm eine Jahresprämie von 350 Euro als gegenwartsnahen Wert für ein festes Modell und rechne sie über eine typische Haltedauer hoch, die ungefähr der Akkugarantie von acht Jahren entspricht.
| Haltedauer | Prämie gesamt (bei 350 € pro Jahr) |
|---|---|
| 1 Jahr | 350 € |
| 4 Jahre | 1.400 € |
| 8 Jahre | 2.800 € |
Rechne diesen Wert nicht fort wie einen Festzins. Die 350 Euro sind das Niveau von Ende Oktober 2026, die Prämie schwankt mit dem Zertifikatspreis, und die Spanne der ersten 2027-Angebote zeigt, wie unterschiedlich die Zukunft bewertet wird. Das taugt als Daumenregel über die Haltedauer, aber nicht als Kalkulationsgrundlage.
Steuer: warum bei dir privat nichts abgezogen wird
Bei einem privat genutzten Elektroauto bleibt die THG-Prämie für dich steuerfrei, und zwar vollständiger, als viele Ratgeber noch vor Jahren schrieben. Die Finanzverwaltung behandelt den Verkauf der Quote im Privatvermögen als nicht steuerbare Leistung: Es bleibt weder Einkommensteuer noch Umsatzsteuer. Die früher diskutierte 256-Euro-Freigrenze für sonstige Leistungen nach § 22 Nummer 3 Einkommensteuergesetz spielt keine Rolle, weil die Prämie gar keiner Einkunftsart zugeordnet wird.
Anders sieht es aus, sobald das Fahrzeug zum Betriebsvermögen gehört. Dann zählt die Prämie als Betriebseinnahme zu den regulär zu versteuernden Einkünften und bei umsatzsteuerlichem Unternehmensvermögen zusätzlich zur Umsatzsteuer. Läuft das Auto über den Arbeitgeber, steht in der Regel dieser als Halter im Fahrzeugschein, und nach Auffassung der Finanzverwaltung geht die Prämie an ihn, ohne bei dir lohnsteuerliche Folgen auszulösen. Bei gemischter oder gewerblicher Nutzung lohnt für die Details der Blick in die Vorgaben der Finanzverwaltung oder ein kurzes Gespräch mit dem Steuerberater.
Nach heutigem Stand ist die Pauschal-Anrechnung für private E-Fahrzeuge bis 2030 angelegt. Was danach gilt, muss der Gesetzgeber neu entscheiden.
So holst du die Prämie: Fristen bis Januar
Beim Timing verwechseln viele zwei Fristen. Die gesetzliche Frist: Deine Stromeinsparung muss bis zum Ablauf des 15. November des jeweiligen Quotenjahres beim Umweltbundesamt gemeldet sein (§ 8 Abs. 1 Nr. 2 der 38. BImSchV). Die Anbieterfrist: Vermittler reichen Sammelmeldungen ein und brauchen Vorlauf, deshalb schließen sie die Annahme meist schon Ende Oktober.
Für das neue Quotenjahr gilt dieser Ablauf:
- Vergleiche die Anbieter für 2027, am besten noch vor dem Jahreswechsel, und achte auf die Unterscheidung zwischen fester und variabler Prämie, auf den Auszahlungszeitpunkt und darauf, dass der Vertrag wirklich nur das Jahr 2027 abdeckt.
- Prüfe deine Altverträge. Wer 2026 einen Mehrjahres- oder Kombivertrag über beide Jahre abgeschlossen hat, hat die Quote für 2027 oft schon abgetreten und bekommt sie nicht doppelt.
- Reiche den Antrag fürs neue Jahr früh ein. Das Umweltbundesamt nimmt Meldungen für ein neues Quotenjahr in der Regel erst ab dem 1. Januar entgegen, viele Anbieter nehmen deine Anmeldung aber schon im November und Dezember an und leiten sie am 1. Januar weiter.
- Halte deinen Fahrzeugschein griffbereit. Nachweis ist die Zulassungsbescheinigung Teil I mit deinem Halter-Eintrag, und pro Fahrzeug und Kalenderjahr wird nur einmal angerechnet.
Was du jetzt konkret tun solltest
Wenn du bereits ein reines Elektroauto fährst und die Prämie für 2026 beantragt hast: Kontrolliere kurz, ob dein Vertrag sich automatisch verlängert oder ob er auch 2027 noch gilt. Wenn nicht, sichere dir die Prämie für 2027, indem du jetzt vergleichst und vorab anmeldest, mit einer nüchternen Erwartung an die Höhe, denn die erste Spanne der 2027er Angebote ist breit.
Wenn du den Kauf eines Stromers noch vor dir hast, halte die THG-Prämie und die staatliche Kaufprämie sauber auseinander, denn beide funktionieren völlig unterschiedlich. Wie die einmalige Kaufförderung 2026 wirkt und für wen sie sich rechnet, steht im Detail in unserer Analyse zur E-Auto-Förderung. Wie sich die laufenden Kosten eines Elektroautos gegen einen Verbrenner stellen, zeigt der Gebrauchtwagen-Vergleich von ID.3 und Golf.
FAQ
Wie viel THG-Prämie gibt es 2026 und 2027?
Für 2026 lagen feste Garantieprämien zuletzt bei rund 300 bis 400 Euro, ohne Neukundenbonus aktuell über 300 Euro (Marktübersicht Ende Oktober 2026). Für 2027 haben erste Anbieter zwischen rund 135 und 400 Euro genannt. Die Beträge schwanken mit dem Zertifikatspreis, verlässliche Voraussagen für 2027 kann niemand treffen.
Ich habe die Frist für 2026 verpasst, kann ich sie nachholen?
Über die Vermittler praktisch nicht, denn deren Annahme endete meist am 31. Oktober 2026, und die gesetzliche Meldfrist beim Umweltbundesamt läuft am 15. November 2026 ab. Ab dem 1. Januar 2027 entsteht dein Anspruch neu, und viele Anbieter nehmen deine Anmeldung für 2027 schon jetzt an.
Steigt die THG-Prämie 2027 weiter?
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sprechen für eine anhaltend hohe Nachfrage: Die Quote springt von 12 auf 17,5 Prozent, und zweifelhafte Anrechnungsoptionen sind seit 2026 entfallen. Die Marktangebote für 2027 streuen trotzdem von 135 bis 400 Euro, weil jeder Anbieter anders kalkuliert. Vergleiche konkret, statt auf eine Prognose zu bauen.
Ist die THG-Prämie steuerpflichtig?
Bei einem privat genutzten Elektroauto nicht: Die Finanzverwaltung behandelt sie im Privatvermögen als nicht steuerbare Leistung, ohne Einkommensteuer und ohne Umsatzsteuer. Gehört das Fahrzeug zum Betriebsvermögen, zählt die Prämie als Betriebseinnahme und ist steuer- und ggf. umsatzsteuerpflichtig. Bei einem Firmenwagen geht die Prämie in der Regel an den Arbeitgeber als Halter.
Soll ich die feste oder die variable Prämie wählen?
Eine feste Prämie gibt dir Planungssicherheit zu einem garantierten Betrag, ausgezahlt wird nach der Zertifizierung durch das Umweltbundesamt. Eine variable Prämie kann höher ausfallen, verlagert aber das Marktrisiko auf dich, da der endgültige Erlös erst nach dem Verkauf des Zertifikats feststeht. Bei variablen Modellen solltest du besonders genau prüfen, ob das Zertifikat sich überhaupt verkaufen lässt.
Quellen
- THG Prämie 2026 vergleichen & sichern
- THG-Prämie Vergleich (Marktübersicht)
- Quotenhöhe der Treibhausgasquote (THG-Quote)
- § 8 38. BImSchV: Mitteilung der energetischen Menge
- Besteuerung von Prämien aus der Treibhausgasminderungs-Quote
- Einkünfte aus der THG-Quote bei Elektromobilität (BMF-Sicht)
- Bundestag beschließt höhere THG-Quote