Steuer

Kalte Progression

Kalte progression einfach erklaert inflation steuertarif?

Kalte Progression: wenn Löhne nur mit der Inflation steigen, der progressive Steuertarif dich aber in höhere Grenzsteuersätze schiebt. Real sinkt das Netto, obwohl nominal mehr draufsteht.

Die kalte Progression beschreibt den Effekt, dass ein Steuerzahler bei nominal steigenden Löhnen in höhere Progressionszonen des Einkommensteuertarifs rutscht, obwohl seine reale Kaufkraft gar nicht zugenommen hat. Weil der deutsche Tarif (§ 32a EStG) progressiv ist und die Zonengrenzen nicht automatisch mit der Inflation steigen, führt Inflation allein zu einer höheren Durchschnitts- und Grenzsteuerbelastung. Eine Tarifverschiebung, die nur die kalte Progression ausgleicht, ist daher real keine Entlastung.

Einsteiger-Block

Dein Gehalt steigt um 3 Prozent, die Inflation liegt bei 3 Prozent. Real bleibst du gleich, nominal hast du mehr auf dem Zettel. Weil der Steuertarif aber progressiv ist und die Zonengrenzen nicht mitsteigen, rutschst du in einen höheren Grenzsteuersatz. Dein Netto steigt nominal, sinkt aber real. Das ist die kalte Progression: eine schleichende Steuererhöhung ohne Beschluss.

Das Rechenbeispiel

Nehmen wir ein zu versteuerndes Einkommen von 30.000 Euro im Tarif 2025. Die Inflation beträgt 3 Prozent, das Gehalt steigt auf 30.900 Euro. Ohne Tarifverschiebung läge das Einkommen in einer etwas höheren Progressionszone, der Grenzsteuersatz steigt leicht. Real (nach Inflation) sinkt das Netto, obwohl nominal mehr herauskommt. Erst wenn der Gesetzgeber die Tarifzonen um rund 3 Prozent nach oben verschiebt, bleibt das Netto real konstant. Genau das macht die Steuerreform 2026 zum Teil: sie verschiebt die Zonen, aber im Wesentlichen nur um den Inflationsausgleich.

Warum die Reform 2026 weitgehend Inflationsausgleich ist

Der Grundfreibetrag steigt 2026 von 12.096 auf 12.348 Euro, das sind plus 252 Euro oder plus 2,1 Prozent. Die 42-Prozent-Zone beginnt bei 69.879 Euro statt 68.481 Euro, ebenfalls ein Plus von rund 2 Prozent. Bei einer Inflationsrate, die im Vorjahr höher lag, ist diese Verschiebung im Kern das Nachziehen der Tarifzonen hinter der Preisentwicklung. Wer das als Steuergeschenk verkauft, verschweigt, dass die Kaufkraft des Netto dadurch real kaum wächst. Was übrig bleibt, ist ein kleiner Verteilungseffekt, kein strukturelles Mehr-Netto.

Der Zusammenhang mit dem Grenzsteuersatz

Die kalte Progression wirkt über den Grenzsteuersatz: im progressiven Bereich steigt der Grenzsteuersatz automatisch mit dem nominalen Einkommen. Nur wer ganz klar unter dem Grundfreibetrag oder ganz klar in der 42-Prozent-Zone liegt, ist vor der kalten Progression einigermaßen sicher, weil sein Grenzsteuersatz dort konstant ist (0 oder 42 Prozent). Im progressiven Mittelbereich trifft sie am stärksten zu.

Häufiger Irrtum: „Der höhere Grundfreibetrag 2026 entlastet mich.” Nominal ja, real kaum. Die Tarifverschiebung ist im Wesentlichen Inflationsausgleich, kein echtes Mehr-Netto. Wer die Reform als Geschenk liest, übersieht, dass gleichzeitig die Beitragsbemessungsgrenzen steigen und der Zusatzbeitrag angehoben wurde, was oberhalb der Grenzen die reale Entlastung wieder auffrisst. Die ehrliche Rechnung zerlegt das Delta in Steuer- und Abgaben-Effekt.

Netto-Delta 2026 Rechner

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