SpaceX im größten IPO der Geschichte: Was wirklich in deinem ETF landet

SpaceX geht an die Nasdaq: 1,77 Bio. $ Bewertung, 135 $ pro Aktie. Was die S-1-Zahlen über Starlink und xAI über den Börsengang wirklich aussagen.

135 Dollar pro Aktie, 1,77 Billionen Dollar Bewertung, 75 Milliarden Dollar Raise. Am 12. Juni startet der größte Börsengang der Geschichte an der Nasdaq mit dem Ticker SPCX. Du wirst das wahrscheinlich nicht aktiv verfolgen, aber dein ETF wird es trotzdem tun.

Der Nasdaq-100 kauft automatisch mit. Die Nasdaq hat ihre Regeln geändert und erlaubt Mega-IPOs den schnellen Eintritt nach 15 Handelstagen. Geschätztes Gewicht im Nasdaq-100: 0,47 bis 0,70 %. Der S&P 500 nimmt SpaceX erst frühestens Mitte 2027 auf, S&P Dow Jones hat die 12-Monate-Saisonierungsfrist am 4. Juni bestätigt. Wer also einen S&P-500-ETF hält, wartet mindestens ein Jahr. Wer einen Nasdaq-100-ETF hält, kauft sofort mit. Dieses Muster wiederholt sich bei jedem Mega-IPO. Lohnend ist deshalb der nüchterne Blick auf die Zahlen hinter der Bewertung.

Der Prospekt in Zahlen: Drei Unternehmen, ein Konzern

SpaceX ist kein einzelnes Unternehmen. Es ist eine Holding aus drei Beinen, die sehr unterschiedlich aussehen. Der S-1-Prospekt, am 20. Mai 2026 bei der SEC eingereicht, zeigt die Aufschlüsselung.

SegmentRevenue 2025Operating Result 2025
Connectivity (Starlink)11,4 Mrd. $+4,4 Mrd. $
Space (Launch)4,1 Mrd. $−0,7 Mrd. $
AI (xAI)3,2 Mrd. $−6,4 Mrd. $
Konzern gesamt18,7 Mrd. $−2,6 Mrd. $

Starlink ist das Rückgrat: 11,4 Milliarden Dollar Umsatz, etwa 61 % des Konzernumsatzes und 4,4 Milliarden Dollar Operating Profit. Es ist das einzige klar profitable Segment. Space liegt mit 0,7 Milliarden Dollar knapp im Minus, belastet durch 3,0 Milliarden Dollar Starship-Entwicklungskosten. In den operativen Verlust zieht den Konzern xAI: 6,4 Milliarden Dollar Operating Loss auf nur 3,2 Milliarden Dollar Umsatz. Konsolidiert bleibt ein Operating Loss von 2,6 Milliarden Dollar, der GAAP-Nettoverlust liegt bei 4,9 Milliarden Dollar.

KennzahlWert
Revenue 202518,7 Mrd. $
Revenue Q1 20264,7 Mrd. $
Operating Loss 20252,6 Mrd. $
Adj. EBITDA 20256,6 Mrd. $
GAAP Net Loss 20254,9 Mrd. $
GAAP Net Loss Q1 20264,3 Mrd. $
CapEx 202520,7 Mrd. $
CapEx Q1 202610,1 Mrd. $

Die Lücke zwischen positivem Adj. EBITDA (6,6 Mrd.) und GAAP-Nettoverlust (4,9 Mrd.) sind vor allem Abschreibungen, bei 20,7 Milliarden Dollar Investitionen entsprechend hoch, dazu aktienbasierte Vergütung sowie Zinsen und Steuern, die EBITDA per Definition ausklammert. Adj. EBITDA ist hier also kein Beweis für Profitabilität, sondern eine bereinigte Kennzahl.

xAI wurde im Februar 2026 in einer reinen Aktientransaktion übernommen. Der S-1 zeigt die Zahlen auf kombinierter Basis, deshalb taucht das Segment bereits in den 2025er-Werten auf. Leasing-Verbindlichkeiten zu Valor Equity Partners über 20 Milliarden Dollar. xAI hat im Januar und Februar 2026 1,7 Milliarden Dollar an SpaceX zurückgezahlt. Das gesamte Umsatzpotential, das SpaceX nennt, liegt bei 28,5 Billionen Dollar. Das ist keine Revenue-Prognose. Das ist die Summe aller Märkte, in denen SpaceX irgendwann einmal Geld verdienen könnte.

Die Bewertung: 94x auf Konzernebene

Der Nenner entscheidet, wie teuer SpaceX wirklich ist. Auf den Konzernumsatz von 18,7 Milliarden Dollar bezogen ergibt sich eine Price-to-Sales Ratio von rund 94x. Das ist massiv teurer als vergleichbare Tech-IPOs der letzten Jahre.

Interessant ist der Blick auf fundamentale Modelle: Während der IPO-Preis eine Bewertung von 1,77 Billionen Dollar suggeriert, kommt Morningstar in einer DCF-Analyse (Discounted Cash Flow) nur auf einen fairen Wert von rund 780 Milliarden Dollar. Das bedeutet: Der Markt preist derzeit mehr als das Doppelte dessen ein, was die erwarteten Cashflows rechtfertigen würden.

UnternehmenIPO-JahrP/S Ratio zum IPOKursentwicklung danach
SpaceX (geplant)2026~94x (Konzern)offen
Palantir (Direct Listing)2020~43x+1.100 % (bis 2025)
Snowflake2020~174x−60 % (12 Monate)
CrowdStrike2019~60x−30 % (12 Monate)
Airbnb2020~8,7x+112 % (erster Tag)

Palantir ging am 30. September 2020 via Direct Listing zu 10 Dollar pro Aktie an die Börse, kein klassisches IPO mit festgelegtem Preis. Die P/S lag bei rund 43x zum Referenzpreis. Palantir hat sich seitdem über 12-fach entwickelt. Das ist allerdings eher die Ausnahme, nicht die Regel.

Snowflake ging im September 2020 zu rund 174x TTM Sales an die Börse. Nach dem ersten Handelstag lag die P/S sogar bei über 200x. 12 Monate nach dem IPO war die Aktie um rund 60 % gefallen.

CrowdStrike ging im Juni 2019 zu 40 Dollar pro Aktie an die Börse. Die P/S lag bei rund 60x basierend auf TTM Revenue. 12 Monate danach: rund 30 % Verlust.

Airbnb ging am 10. Dezember 2020 zu 58 Dollar (Midpoint der IPO-Preisspanne) an die Börse, P/S rund 8,7x basierend auf 2019 Revenue von 4,8 Milliarden Dollar. Der First-Day-Return: +112 %.

SpaceX ist damit das teuerste große IPO, gemessen an P/S auf Konzernebene. Selbst im Vergleich zu Snowflake mit 174x ist die Bewertung hoch, und das, bevor die Aktie auch nur einen einzigen Handelstag absolviert hat.

Der Mittelwert der First-Day-Returns bei großen Tech-IPOs liegt bei −0,8 %. Nur 30 % waren positiv. Der Median: −2,8 %. Die IPO-Jahrgänge 2020 und 2021 lagen im Schnitt 7,8 % im Minus über zwölf Monate.

Was es für dein ETF-Depot bedeutet

Ein geschätztes Gewicht von 0,47 bis 0,70 % im Nasdaq-100 ist zwar höher als im S&P 500, bleibt aber für das Gesamtportfolio vernachlässigbar. Selbst wenn SPCX morgen um 50 % fällt, wäre das ein Effekt von rund 0,23 bis 0,35 % auf einen reinen Nasdaq-ETF. Relativ unbedeutend.

Die eigentliche Frage ist eine andere: Lohnt es sich, jetzt aktiv SpaceX-Aktien zu kaufen? Als passiver Investor werde ich das selbstverständlich nicht tun, aber es gibt ja sehr viele, die es machen, und die auch “beworben” werden. Sei es durch Broker oder Finfluencer.

HandlungWahrscheinliche Folge
IPO-Preis 135 $ sofort kaufenUnderwriter verdienen ihre Provision. Historisch verlieren IPO-Käufer in den ersten 12 Monaten im Durchschnitt.
6 Monate wartenAnalysten haben ihre Modelle aufgesetzt. Die wahre Bewertung findet erst statt.
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Index-Einbindung: Nasdaq ja, S&P 500 erst später

Die Nasdaq hat ihre Regeln geändert. Seit dem 1. Mai 2026 gibt es eine Fast-Entry-Klausel für Mega-IPOs. SpaceX kann innerhalb von 15 Handelstagen in den Nasdaq-100 aufgenommen werden. Das bedeutet: Ende Juni oder Anfang Juli 2026.

Der S&P 500 hat abgelehnt. S&P Dow Jones Indices hat am 4. Juni 2026 bestätigt, dass die 12-Monate-Saisonierungsfrist bestehen bleibt. SpaceX wird also frühestens im Juni 2027 im S&P 500 landen.

Das hat eine praktische Konsequenz. Wer einen Nasdaq-100-ETF hält, kauft SPCX sofort mit. Wer einen S&P-500-ETF hält, wartet mindestens ein Jahr.

Das Narrativ vs. die Prospekt-Zahlen

Die Medien berichten über 1,77 Billionen Dollar Bewertung, größtes IPO der Geschichte, Musk verändert die Welt. Der Prospekt zeigt etwas anderes.

  • 18,7 Milliarden Dollar Konzernumsatz, davon 11,4 Milliarden Dollar von Starlink.
  • Starlink ist der einzige profitable Motor: 11,4 Milliarden Dollar Revenue, 4,4 Milliarden Dollar Operating Profit. Auf EBITDA-Ebene ist der Konzern positiv (6,6 Mrd.), auf GAAP-Ebene nicht.
  • 20,7 Milliarden Dollar CapEx in 2025, rund 111 % des Umsatzes. Q1 2026 allein 10,1 Milliarden Dollar.
  • GAAP-Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar in 2025, 4,3 Milliarden Dollar in Q1 2026 (getrieben durch xAI).
  • xAI mit 20 Milliarden Dollar Leasing-Verbindlichkeiten zu Valor. Ein unbekannter Faktor.
  • Bewertung von 94x Umsatz auf Konzernebene. Eingepreist ist, dass fast alles aufgeht.

Die versteckten Risiken, die der Prospekt erwähnt

Der S-1-Prospekt ist über 400 Seiten lang. Diese Punkte sollten Anleger daraus kennen.

Konzentrationsrisiko

Elon Musk kontrolliert nach dem IPO rund 82 % der Stimmrechte, obwohl er nur einen Minderheitsanteil am Kapital hält. Möglich macht das die Class-B-Aktie mit zehnfachem Stimmrecht. Er ist CEO, CTO und Chairman. Wenn er die Strategie ändert, ändern sich die Zahlen, und die übrigen Aktionäre haben wenig Gegenwehr.

Vom Gewinn in den Milliardenverlust

Das Konzernergebnis ist von 791 Millionen Dollar Gewinn in 2024 in einen GAAP-Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar in 2025 gekippt. Q1 2026: weitere 4,3 Milliarden Dollar Verlust. Das Unternehmen verbrennt derzeit mehr Cash, als es einnimmt.

Leasing-Verbindlichkeiten

Die 20 Milliarden Dollar an Valor Equity Partners sind keine normale Schuld. Es ist ein Leasing-Abkommen für AI-Infrastruktur. Die Bedingungen sind nicht vollständig transparent.

Regulatorische Abhängigkeit

SpaceX ist stark von US-Regierungsaufträgen abhängig. Der Space-Segment-Umsatz kommt größtenteils von NASA und DoD. Ein politischer Wechsel kann diese Aufträge verändern.

Der Satelliteninternet-Markt wächst, aber der Wettbewerb intensiviert sich. Amazon Project Kuiper, Eutelsat OneWeb und andere Anbieter drücken auf die Margen.

Die ehrliche Einschätzung

SpaceX ist ein faszinierendes Unternehmen. Starlink verändert die globale Internet-Infrastruktur. Starship könnte den Raketenbau revolutionieren. Aber faszinierend ist keine günstige Bewertung.

Bei 94x Umsatz auf Konzernebene ist die Zahl kein Kauf. Interessant, mehr nicht.

Dein ETF kauft die Aktie automatisch. Du musst nichts tun. Das ist kein Rat. Das ist Mathematik.

Quellen

  1. Space Exploration Technologies Corp.: S-1 Registration Statement (SEC Filing) · U.S. Securities and Exchange Commission , abgerufen am 07.06.2026
  2. SpaceX targets $135 IPO price at valuation of $1.77 trillion · CNBC , abgerufen am 07.06.2026
  3. SpaceX plans to set IPO price at $135 per share, targeting record $75 billion · Reuters , abgerufen am 07.06.2026
  4. SpaceX IPO Index Inclusion: How Rule Changes for SPY, QQQ · SpotGamma , abgerufen am 07.06.2026
  5. S&P Dow Jones keeps megacap IPO rules as is after consultation · Bloomberg , abgerufen am 07.06.2026
  6. xAI Series E Funding Round Details · Sacra , abgerufen am 07.06.2026