FTSE All-World
Was ist der ftse all-world?
FTSE All-World erklärt: Wie der Index sich vom MSCI World unterscheidet, welche ETFs ihn abbilden, und warum er für viele Anleger der einfachste Einstieg ins Weltportfolio ist.
Der FTSE All-World ist ein Aktienindex von FTSE Russell, der rund 4.000 Unternehmen aus 49 Ländern umfasst, darunter sowohl Industrieländer als auch Schwellenländer. Er ist damit die direkteste Alternative zum MSCI ACWI und gilt als einer der meistgenutzten Indizes für das Ein-ETF-Weltportfolio. Der bekannteste ETF darauf, der Vanguard FTSE All-World, ist mit einem Fondsvolumen von über 20 Milliarden Euro einer der größten ETFs in Europa.
Einsteiger-Block
Wer das komplette, investierbare Aktienuniversum in einem einzigen ETF halten will, landet früher oder später beim FTSE All-World. Der Index enthält rund 4.000 Unternehmen aus Ländern wie den USA, Deutschland, Japan, aber auch China, Indien, Brasilien und Taiwan. Das Prinzip ist dasselbe wie beim MSCI World: Gewichtung nach Marktkapitalisierung, laufende Anpassung durch den ETF-Anbieter, kein aktives Stockpicking.
Der Unterschied zum MSCI World liegt im Scope. Der MSCI World lässt Schwellenländer komplett weg; der FTSE All-World schließt sie ein, mit einem Anteil von derzeit rund 11 bis 12 %. Wer den MSCI World als Basisinvestment wählt und Schwellenländer weglässt, trifft damit eine bewusste Wette gegen diese Märkte. Wer den FTSE All-World wählt, nimmt sie proportional zu ihrer Börsengröße mit, ohne darüber aktiv nachdenken zu müssen.
Index-Aufbau im Detail
Der FTSE All-World ist Teil der FTSE Global Equity Index Series und deckt nach FTSE-Klassifikation sowohl Industrieländer (25 Länder) als auch Schwellenländer (24 Länder) ab. Dabei enthält er die Large- und Mid-Cap-Segmente, aber keine Small Caps. Wer auch Small Caps einschließen will, braucht den verwandten FTSE All-World All Cap (ca. 9.000 Unternehmen).
| Merkmal | FTSE All-World |
|---|---|
| Anzahl Unternehmen | ca. 3.800–4.200 |
| Industrieländer | 25 |
| Schwellenländer | 24 |
| Small Caps | Nein |
| USA-Anteil | ca. 60–65 % |
| EM-Anteil | ca. 11–12 % |
| Abgedeckte Marktkapitalisierung (global) | ca. 90–95 % |
Ein wichtiger Unterschied zur MSCI-Klassifikation: FTSE Russell stuft Südkorea als Industrieland ein, MSCI als Schwellenland. Deshalb sind Samsung, SK Hynix und Hyundai im FTSE All-World in der Industrieländer-Gruppe zu finden, während sie im MSCI ACWI zu den Emerging Markets zählen. Für das Endresultat im Portfolio macht das kaum einen Unterschied, ist aber relevant, wenn man die Indexmethodik genau vergleicht.
FTSE All-World vs. MSCI ACWI
Beide Indizes decken den globalen Aktienmarkt ähnlich breit ab und gelten als direkte Konkurrenten. In der Praxis sind die Unterschiede gering.
| Merkmal | FTSE All-World | MSCI ACWI |
|---|---|---|
| Anbieter | FTSE Russell | MSCI Inc. |
| Unternehmen | ca. 4.000 | ca. 2.900 |
| Industrieländer | 25 | 23 |
| Schwellenländer | 24 | 24 |
| Südkorea | Industrieland | Schwellenland |
| USA-Anteil (ca.) | 60–65 % | 60–65 % |
| EM-Anteil (ca.) | 11–12 % | 11 % |
Die Rendite der ETFs auf beide Indizes war historisch nahezu identisch, mit Abweichungen im Bereich unter 0,1 % p.a. Die Indexwahl entscheidet damit kaum über die Rendite, wohl aber über den verfügbaren ETF-Anbieter und dessen Konditionen.
Der Vanguard FTSE All-World ETF
Der bekannteste und meistgekaufte ETF auf den FTSE All-World stammt von Vanguard und existiert in zwei Varianten:
Die ausschüttende Variante (ISIN IE00B3RBWM25) schüttet Dividenden und Erträge quartalsweise aus und ist bei Anlegern beliebt, die ihren Freistellungsauftrag damit regelmäßig ausschöpfen wollen. Der Freistellungsauftrag wird so automatisch genutzt, ohne dass Anteile verkauft werden müssen.
Die thesaurierende Variante (ISIN IE00BK5BQT80) legt alle Erträge sofort wieder an. Dadurch profitiert das Kapital vom Zinseszinseffekt ohne zwischenzeitliche Steuerabflüsse, was langfristig den Steuerstundungseffekt maximiert.
Beide Varianten haben eine TER von 0,22 % p.a., was für einen thematisch so breiten Index wettbewerbsfähig ist. Günstigere Alternativen existieren beim MSCI ACWI, wo einzelne ETFs auf 0,12 bis 0,17 % kommen. Der Vanguard-ETF gleicht das teils durch eine negative oder sehr geringe Tracking Difference aus.
Kosten und Tracking Difference
Die TER sagt, was der ETF-Anbieter einbehält. Die Tracking Difference sagt, wie stark der ETF von der tatsächlichen Indexrendite abweicht. Ein ETF mit TER 0,22 % und positiver Tracking Difference von 0,05 % kostet den Anleger effektiv 0,27 %. Ein ETF mit TER 0,15 % und negativer Tracking Difference von 0,05 % kostet effektiv 0,10 %.
Beim Vanguard FTSE All-World lag die Tracking Difference historisch im Bereich von 0,10 bis 0,20 %, was bei einer TER von 0,22 % eine Gesamtbelastung von rund 0,30 bis 0,40 % bedeutet. Das ist höher als die günstigsten MSCI World ETFs, aber angesichts der Abdeckung von 4.000 Unternehmen und der Aufnahme von Schwellenländern plausibel.
Warum der FTSE All-World so dominant ist
Der Vanguard FTSE All-World ist in deutschen ETF-Communities überproportional präsent, weil er mehrere Eigenschaften auf einmal vereint: breite globale Abdeckung, ein etablierter Anbieter mit genossenschaftlicher Struktur (Vanguard gehört seinen eigenen Fondsanlegern), ein Fondsvolumen, das Schließungsrisiken praktisch ausschließt, und ein vertrautes Kürzel. Für viele Einsteiger ist er der erste ETF, über den sie überhaupt nachdenken, und für viele Fortgeschrittene auch der letzte.
Das Gegenargument ist der Preis: Wer die günstigsten MSCI World ETFs kombiniert mit einem günstigen Emerging Markets ETF, kommt bei ähnlicher Abdeckung auf eine effektive Gesamtkostenbelastung von 0,10 bis 0,20 %. Das ist günstiger als der Vanguard FTSE All-World, erfordert aber jährliches Rebalancing und mehr Verwaltungsaufwand.
Der FTSE All-World ist das richtige Instrument für Anleger, die wirklich alles in einem ETF wollen und bereit sind, dafür eine leicht höhere Kostenquote zu akzeptieren. Wer dagegen die Kosten auf das absolute Minimum reduzieren will, kombiniert einen günstigen MSCI World ETF mit einem MSCI Emerging Markets ETF und rebalanciert einmal jährlich. Beide Wege funktionieren. Der FTSE All-World ist einfacher, die Kombination günstiger. Welche Eigenschaft im eigenen Leben mehr wiegt, entscheidet jeder für sich.