Mechanismus

C-Rate

Was bedeutet c-rate beim akku?

C-Rate erklärt: Die normierte Maßzahl für Ladestrom relativ zur Kapazität, ihre Wirkung auf Lithium-Plating und den Unterschied zwischen 11-kW-Wallbox und HPC-Säule.

Die C-Rate ist der Lade- oder Entladestrom einer Zelle, normiert auf ihre Nennkapazität. 1 C heißt: Die Zelle wird in einer Stunde voll geladen oder entladen. 0,5 C dauert zwei Stunden, 2 C bedeutet eine halbe Stunde. Die C-Rate ist neben SOC und Temperatur der dritte große Stressfaktor in Lithium-Ionen-Zellen. Hohe C-Raten erzeugen drei Effekte: erhöhtes Plating-Risiko, quadratisch steigende ohmsche Verluste und steilere Konzentrationsgradienten im Aktivmaterial. Für die Praxis: 11-kW-AC-Laden liegt bei rund 0,15 C, HPC mit 150 kW bei rund 2 C, ein Faktor von über zehn.

Einsteiger-Block

Wenn du eine Energiemenge in eine Zelle drückst, ist nicht nur entscheidend, wie viel du lädst, sondern auch wie schnell. Eine 75-kWh-Batterie mit 11 kW zu laden dauert rund 7 Stunden. Mit 150 kW dauert es rund eine halbe Stunde. Beide Vorgänge bringen am Ende dieselben 60 kWh in den Akku, aber der zweite stresst die Zelle deutlich mehr. Die C-Rate ist die Maßzahl, die diesen “Druck” quantifiziert und zwischen Zellen unterschiedlicher Größe vergleichbar macht.

Konkret für einen typischen Mittelklasse-EV mit 75 kWh nutzbarer Kapazität:

LadequelleLeistungC-Rate (auf 75 kWh)
Schuko-Steckdose2,3 kW0,03 C
AC-Wallbox 11 kW11 kW0,15 C
AC-Wallbox 22 kW22 kW0,29 C
DC 50 kW50 kW0,67 C
HPC 150 kW150 kW2,0 C
HPC 350 kW (kurzer Peak)bis 250 kW am Packbis 3,3 C

Drei Effekte bei hoher C-Rate

Erhöhtes Lithium-Plating-Risiko. Die Diffusionsgeschwindigkeit von Lithium-Ionen in den Graphit ist endlich. Oberhalb von rund 1 C kommt mehr Lithium an der Anodenoberfläche an, als sich pro Zeiteinheit interkalieren lässt. Der Überschuss kann metallisch ausfallen. Der Effekt skaliert nichtlinear, weshalb 3 C nicht dreimal so schädlich wie 1 C ist, sondern deutlich mehr.

Quadratische ohmsche Verluste. Die Verlustleistung in den Stromsammlern und im Elektrolyten skaliert mit dem Quadrat des Stroms. Bei 3 C ist sie neunmal so hoch wie bei 1 C. Das erklärt, warum HPC-Säulen so viel mehr Wärme erzeugen als Wallboxen und warum aktive Kühlung dort obligatorisch ist.

Steilere Konzentrationsgradienten. Bei hohen Strömen entstehen scharfe Lithium-Konzentrationsunterschiede zwischen Oberfläche und Innerem der Aktivmaterialpartikel. Diese Gradienten erzeugen mechanische Spannungen, die zu Mikrorissen in den Partikeln führen. Über viele Zyklen verschlechtert sich die Pulverstruktur, Aktivmaterial bricht aus dem Verbund, das BMS sieht den Effekt als Kapazitätsverlust.

Warum LFP höhere C-Raten verträgt

LFP-Zellen (Lithium-Eisenphosphat) tolerieren hohe C-Raten besser als NMC oder NCA. Der Grund liegt in der Olivinstruktur der Kathode, die mechanisch stabiler ist und weniger zu Rissbildung neigt. Außerdem ist die thermische Stabilität von LFP höher, was Plating bei hohen Strömen weniger wahrscheinlich macht. Praktisch heißt das: BYD-Blade-Zellen oder die LFP-Zellen in Tesla-Standard-Range-Modellen erreichen auch bei 2 C noch hohe Zyklenzahlen, während NMC-Zellen oberhalb von 1 C messbar an Lebensdauer verlieren.

Die 11-kW-Wallbox als Sweet Spot

Eine 11-kW-Wallbox an einem 75-kWh-Pack arbeitet bei 0,15 C. Das ist so weit unter jeder Stress-Schwelle, dass die Zelle praktisch keine zusätzliche Alterung gegenüber Standzeit erfährt. Die TUM-ID.3-Studie zeigt im Commuter-Profil mit überwiegend AC-Laden eine signifikant niedrigere Plating-Komponente als im Highway-Profil mit HPC-Anteil. Die 22-kW-Wallbox liegt bei 0,29 C, was im Alltag akzeptabel, aber nicht mehr stressfrei ist und zusätzlich oft zu wenig Zeit für Cell-Balancing am Ladeende bietet.

Die C-Rate macht den Unterschied zwischen “Ladevorgang” und “Stresstest” sichtbar. Ein Faktor zehn zwischen Heimwallbox (0,15 C) und HPC (2 C) ist physikalisch ein anderer Vorgang, auch wenn am Ende dieselbe Energiemenge im Akku landet. Wer 80 % seiner Ladevorgänge zu Hause erledigt und HPC bewusst auf Reisen begrenzt, hat den dritten großen Stressfaktor (neben SOC und Temperatur) systematisch im Griff.