Kreditrisiko
Was ist kreditrisiko bei anleihen?
Das Risiko, dass ein Schuldner nicht zahlt: relevant für Unternehmensanleihen, P2P-Kredite und High-Yield-ETF, messbar über den Credit Spread.
Kreditrisiko (auch Default Risk oder Ausfallrisiko) ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schuldner Zinsen oder Kapital nicht wie vereinbart zurückzahlt. Es steckt in jeder Anleihe, jedem P2P-Kredit, jedem High-Yield-ETF. Der Credit Spread, also der Renditeaufschlag gegenüber risikofreien Staatsanleihen, ist der Marktpreis für dieses Risiko: Wer mehr Rendite verlangt, übernimmt mehr Kreditrisiko. Es gibt keine höhere Rendite ohne Gegenleistung.
Einsteiger-Block
Du kaufst eine Unternehmensanleihe mit 6 % Zinsen. Deutsche Staatsanleihen gleicher Laufzeit rentieren bei 2,5 %. Der Unterschied von 3,5 % ist der Credit Spread: die Risikoprämie dafür, dass das Unternehmen pleite gehen könnte.
Je schlechter die Bonität des Emittenten, desto höher der Spread, desto höher die Rendite, desto höher das Risiko. Das ist kein Zufall, sondern Marktpreisfindung.
Das Rating-System
| Rating (S&P) | Kategorie | Historische 5-Jahres-Ausfallrate |
|---|---|---|
| AAA / AA | Investment Grade | < 0,1 % |
| A | Investment Grade | ~0,1 % |
| BBB | Investment Grade (unterste Stufe) | ~0,5 % |
| BB | High Yield (Junk) | ~1,5 % |
| B | High Yield | ~4,0 % |
| CCC | High Yield (spekulativ) | ~25–30 % |
| D | Default | n/a |
Investment Grade (BBB– und besser): Emittent gilt als kreditwürdig. Institutionelle Anleger (Versicherungen, Pensionsfonds) dürfen oft nur Investment Grade halten.
High Yield / Junk: Höhere Renditen, deutlich höhere Ausfallrisiken. Für Privatanleger meist nur sinnvoll via diversifiziertem ETF.
Credit Spreads im April 2026
| Segment | Spread über Staatsanleihen |
|---|---|
| EUR Investment Grade (Unternehmen) | ~1,2 % |
| EUR High Yield | ~4,5 % |
| US Investment Grade | ~1,0 % |
| US High Yield | ~3,8 % |
| Emerging Markets Sovereign (USD) | ~3,5 % |
Spreads verengen sich in guten Zeiten (Risikoappetit hoch), weiten sich in Krisen (Risikoaversion). In der Corona-Krise 2020 sprang der US-High-Yield-Spread von ~3,5 % auf über 10 %. Das entspricht einem Kursrückgang von ~15–25 % bei High-Yield-ETF.
Kreditrisiko in verschiedenen Anlageklassen
Unternehmensanleihen-ETF
Ein Investment-Grade-ETF streut über hunderte Emittenten, idiosynkratisches Kreditrisiko (Einzelausfall) ist weitgehend wegdiversifiziert. Was bleibt: systematisches Kreditrisiko. In Rezessionen steigen Spreads quer über alle Emittenten gleichzeitig.
High-Yield-ETF
Höheres Renditepotenzial, höhere Korrelation mit Aktien in Krisen. High-Yield-ETF verhielten sich 2008, 2020 und 2022 ähnlich wie Aktien-ETF, kein echter Diversifikationseffekt im Abschwung.
P2P-Kredite
Kein externes Rating, kein aktiver Sekundärmarkt, voller Ausfall bei Schuldnerinsolvenz. Das Kreditrisiko ist maximal einzelbezogen: Diversifikation über viele Kredite reduziert idiosynkratisches Risiko, systematisches Kreditrisiko (Plattforminsolvenz, Konjunktureinbruch) bleibt.
Staatsanleihen
Deutsche, US-amerikanische und andere AAA-Staatsanleihen gelten als nahezu kreditrisikofrei. Risiko bei Schwellenländern: deutlich höher (Argentinien, Sri Lanka, beide hatten in den letzten 10 Jahren Staatspleiten).
Recovery Rate: Was bleibt nach einem Ausfall
Ein Ausfall bedeutet nicht automatisch Totalverlust. In der Insolvenz erhalten Anleihegläubiger oft einen Teil zurück (Recovery Rate):
- Senior Secured Bonds: ~70 % historischer Durchschnitt
- Senior Unsecured Bonds: ~40–50 %
- Subordinated Bonds: ~10–20 %
- P2P-Kredite: ~0–30 % (stark variierend)
Der erwartete Verlust ist: Ausfallwahrscheinlichkeit × (1 − Recovery Rate). Bei BB-Anleihe mit 1,5 % Ausfallwahrscheinlichkeit und 50 % Recovery: erwarteter Verlust ~0,75 % p.a., deutlich unter dem Spread von ~2,5 %.
Kreditrisiko wird am Markt bepreist, aber nicht immer korrekt. In Phasen niedriger Spreads wird es systematisch unterschätzt (Risikoappetit), in Krisen überschätzt (Panikverkäufe). Für langfristige Anleger ist das eine Chance: High-Yield-ETF, die in Krisen auf 10 % Spread fallen, bieten mittelfristig attraktive Einstiegspunkte, wenn man versteht, dass ein Spread von 10 % nicht bedeutet, dass 10 % aller Emittenten ausfallen werden, sondern dass der Markt gerade entsprechend viel Angst einpreist.