Verlustverrechnung
Wie funktioniert verlustverrechnung bei aktien?
Zwei getrennte Steuertöpfe für Gewinne und Verluste
Realisierte Verluste aus Wertpapieren können mit realisierten Gewinnen verrechnet werden, das senkt die Steuerlast, nicht verbrauchte Verluste werden in einen “Verlustverrechnungstopf” übertragen und in Folgejahren automatisch genutzt.
Was viele nicht wissen: Es gibt zwei getrennte Töpfe:
- Aktienverluste (können nur gegen Aktiengewinne verrechnet werden)
- Allgemeine Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, ETF-Gewinne)
Aktienverluste können NICHT mit ETF-Gewinnen verrechnet werden. Das hat strategische Konsequenzen.
Ein konkretes Beispiel. richtig und falsch
Szenario: 3.000 € Gewinn aus ETF + 2.000 € Verlust aus Einzelaktie im selben Jahr
✓ Richtig verrechnet
- Gewinn ETF: 3.000 €
- Verlust Aktie: 2.000 € (im Aktienverlust-Topf)
- Verrechenbar: 2.000 €
- Steuerpflichtige Einkünfte: 1.000 €
- Steuern (25 %): 250 €
❌ Problem mit falscher Topf-Aufteilung
Szenario: 3.000 € Gewinn aus Einzelaktie + 2.000 € Verlust aus ETF
- Gewinn Einzelaktie: 3.000 € (im Aktienverlust-Topf)
- Verlust ETF: 2.000 € (im allgemeinen Topf)
- Verrechenbar: 0 € (unterschiedliche Töpfe!)
- Steuerpflichtige Einkünfte: 5.000 €
- Steuern (25 %): 1.250 €
Die 2.000 € Verlust aus dem ETF kannst du nicht nutzen, um die Aktiengewinne zu reduzieren.
Steuerpflichtige Gewinne
2.000 €
Nach Verlustausgleich
Steuer gezahlt
528 €
Zu zahlen
Steuervorteil
264 €
Durch Verluste
Prinzip: Realisierte Verluste reduzieren steuerpflichtige Gewinne. Nicht genutzte Verluste können in Folgegewinne vorgetragen werden.
Tipp: Tax-Loss-Harvesting ist eine legitime Steueroptimierungsstrategie ohne wirtschaftliche Substanz.
Tax-Loss-Harvesting: Gezielt Verluste realisieren
Eine professionelle Strategie am Jahresende:
- Gezielt Verlustpositionen realisieren, um Gewinne zu neutralisieren
- Danach dieselbe Position zurückkaufen
In Deutschland gibt es (anders als in den USA) keine Wash-Sale-Regel, du kannst sofort wieder einsteigen, ohne Strafsteuern zu riskieren.
Wichtig: Unrealisierte Verluste sind nutzlos, sie können steuerlich nicht verwendet werden.
Wer eine Position mit −30 % hält und nicht verkauft, verschenkt die Steuerersparnis, ohne das Marktrisiko zu reduzieren, das ist irrational.
Δ-Moment: Verkaufsentscheidungen sind Steuerfragen
Wer Verlustverrechnung versteht, trifft Verkaufsentscheidungen nicht nur nach Kursentwicklung, sondern auch nach Steueroptimierung.
Das kostet Zeit. spart aber messbar mehrere hundert Euro pro Jahr bei aktiveren Portfolios.
Besonders in Jahren mit hohen Kapitalerträgen lohnt sich Tax-Loss-Harvesting stark.