Mechanismus

CAPE / Shiller-KGV

Was ist das cape kgv?

Das CAPE (Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio) oder Shiller-KGV ist eine fundamentale Bewertungskennzahl, die kurzfristige Gewinnschwankungen glättet. Entwickelt von Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller, misst es den aktuellen Börsenwert im Verhältnis zu den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinnen der letzten zehn Jahre. Ein hohes CAPE ist kein Crash-Signal, es drückt empirisch die erwartete Rendite des darauffolgenden Jahrzehnts messbar nach unten.

Einsteiger-Block

Das standardmäßige KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) nimmt den aktuellen Kurs und teilt ihn durch den letzten Jahresgewinn. verzerrt durch Einmaleffekte, Konjunkturspitzen oder Kriseneinbrüche wie Corona. Das CAPE agiert intelligenter: Es glättet alle Ausreißer über einen 10-Jahres-Horizont und bereinigt um Inflation. Wenn du eine Apfelplantage kaufen willst, die in einem trockenen Jahr nur 20 % der normalen Ernte lieferte. würdest du den Preis nach diesem Ausnahmejahr berechnen, oder nach dem 10-Jahres-Schnitt? Das CAPE ist die 10-Jahres-Methode für Aktienmarktbewertungen.

CAPE-Niveaus und historische Renditeerwartungen

CAPE-NiveauBewertungHistorische 10-Jahres-Rendite (S&P 500, ca.)
< 15Günstig~10–14 % p.a.
15–20Normal (hist. Durchschnitt ~17)~8–10 % p.a.
20–25Leicht erhöht~5–8 % p.a.
25–30Teuer~3–5 % p.a.
> 30Sehr teuer~1–4 % p.a.
> 40 (Dotcom-Blase 1999)ExtremHistorisch folgte negative 10-Jahres-Rendite

Vorhersagekraft: R² ≈ 0,4 für 10-Jahres-Renditen (Campbell & Shiller). Kein Timing-Signal für kurzfristige Märkte.

Keine Glaskugel, aber die mächtigste Wahrscheinlichkeitskurve

Der historische Durchschnittswert des CAPE für den US-Markt (seit 1880) liegt bei rund 17. Extreme Phasen:

  • Dotcom-Blase (1999): CAPE über 44. Danach folgte das verlorene Jahrzehnt des S&P 500 bis 2009.
  • Finanzkrise (2007): CAPE bei ca. 27. Der Markt war bereits erhöht, als die Krise begann.
  • Niedrigpunkt 2009: CAPE unter 15. Die nachfolgenden 10 Jahre gehörten zu den stärksten in der Geschichte.

Die Vorhersagekraft über 10 Jahre ist mit R² ≈ 0,4 statistisch belastbar. deutlich höher als kurzfristige Prognosen jeder Art.

Die 2 fatalen Verwechslungen als Market-Timer

  1. “Der Markt ist teuer, ich verkaufe”: Hohes CAPE bedeutet gedämpfte zukünftige Renditeerwartungen, aber keinen baldigen Crash. Alan Greenspan warnte im Dezember 1996 bei einem CAPE von 28 vor “irrationalem Überschwang”. Wer damals verkaufte, stand vier Jahre an der Seitenlinie und verpasste weitere 100 % S&P-500-Rendite. Ein CAPE von 30 kann jahrelang weiter steigen.

  2. “TINA” (There Is No Alternative) nicht einpreisen: Märkte notieren heute oft über historischen CAPE-Niveaus, weil niedrige Leitzinsen Kapital in Aktien treiben. Direkte Vergleiche mit Daten aus der Zeit vor 1980, als Anleiherenditen bei 6–10 % lagen. sind deshalb verzerrt. Das aktuelle CAPE muss immer im Kontext der risikofreien Alternative (Staatsanleihe) bewertet werden.

Praktische Implikation

Deinstalliere jeden Alarm für Crash-Signale durch ein gestiegenes CAPE. Nutze es stattdessen als Rendite-Kalibrierung: Bei einem CAPE von 35+ rechne für die nächsten 10 Jahre mit 4–6 % realer Rendite statt mit 10 %. Diese nüchterne Erwartungshaltung schützt vor gefährlichen Kalkulationslücken in der Rentenplanung, und bewahrt dich davor, wegen Enttäuschung über “zu niedrige Renditen” hektisch umzuschichten.

Das CAPE trennt kurzfristige Casino-Zocker von rationalen Rechnern. Das Delta: Ein hohes CAPE hindert dich nicht daran, weiter eisern zu investieren, es hindert dich daran, unrealistische Renditen einzukalkulieren. Es ist kein Handelssignal. Es ist ein Erwartungsanker.