Verhalten

Recency Bias

Was ist recency bias?

Die Tendenz, jüngste Ereignisse zu übergewichten

Recency Bias ist die Tendenz, jüngste Ereignisse überproportional zu gewichten.

  • Nach einem Crash glauben Anleger, Crashes sind die Norm
  • Nach einem 10-jährigen Bullenmarkt erwarten sie, dass er ewig weitergeht
  • Nach einer Pandemie-Erholung glauben sie, Pandemien sind das neue Normal

Das Problem: Investitionsentscheidungen werden so zu impliziten Marktprognosen, basierend auf den letzten 2–3 Jahren statt auf langfristiger Evidenz.

Das 2021-2022-Desaster: Ein Lehrstück

2021: Tech-Aktien stiegen brutal, NFTs explodierten, Krypto war “the future”.

Millionen Menschen investierten, weil die jüngste Vergangenheit überzeugend war.

2022: Alles fiel.

Wer 2021 eingestiegen war, hatte genau dann keine Erfahrung mit Verlusten. Recency Bias hatte sie überzeugt, dass die letzten 18 Monate repräsentativ für die nächsten 18 Monate waren.

Das Resultat: Emotionales Verkaufen im Tief.

Wie das Gehirn Renditen gewichtet

2018
+12 %
2019
+18 %
2020
+15 %
2021
+8 %
2022
−18 %
2023
−25 %
4 positive Jahre
Kognitives Gewicht: ~30 %
2 negative Jahre
Emotionales Gewicht: ~70 %

Das Ergebnis: Der Investor sieht −25 % im letzten Jahr und fühlt sich wie in einem Bärenmarkt — obwohl der kumulierte 6-Jahres-Durchschnitt positiv ist.

Typische Reaktion: Verkaufen genau dann, wenn die Erholung kommt. 2024 folgte +20 %.

Gegenmittel: Langjährige Durchschnitte statt des letzten Jahres als Maßstab nehmen.

Der Behavior Gap: Rendite vs. Anlegerrendite

Recency Bias ist einer der Hauptgründe für den “Behavior Gap”, die Differenz zwischen:

  • Fondsrendite: Was der Fonds tatsächlich erwirtschaftet (z.B. +8 %)
  • Anlegerrendite: Was Anleger tatsächlich verdienen, nach Ein- und Ausstiegszeitpunkten (z.B. +2 %)

Laut DALBAR-Studie beträgt dieser Gap historisch 1–3 % p.a.. fast vollständig durch Timing-Fehler verursacht, die auf Recency Bias basieren.

Δ-Moment: Bewusste Gegenmaßnahmen treffen

Wer Recency Bias kennt, setzt bewusste Regeln dagegen:

  1. Keine Portfolioänderungen in den 30 Tagen nach starken Marktbewegungen
  2. Betrachte Asset-Klassen über Zeiträume > 10 Jahre statt < 3 Jahre
  3. Nutze “Autopilot”-Strategien (Sparplan, Rebalancing), die nicht von aktuellen Marktstimmungen abhängen

Diese Regeln sind keine Garantie, aber sie schützen dich vor dem schlimmsten Schaden: Vor deinen eigenen schlechtesten Entscheidungen.