Benchmark
Was ist ein benchmark?
Eine Benchmark ist der offizielle Vergleichsindex, gegen den eine Geldanlage ihre tatsächliche Performance messen lassen muss. Passive ETFs spiegeln ihre Benchmark (z. B, den MSCI World) und sind damit transparent. Viele aktiv gemanagte Fonds wählen falsche oder beschnittene Benchmarks, um schwache Renditen optisch aufzuwerten, und kaschieren damit systematisch, dass sie Anlegergelder vernichten.
Einsteiger-Block
Dein Bankberater zeigt dir einen Technologiefonds: +18 % im letzten Jahr. Klingt gut. Die Wahrheit: Ein simpler Nasdaq-100-ETF als fairer Benchmark lieferte im selben Jahr +28 %. Dein Fondsmanager hat also −10 Prozentpunkte Rendite vernichtet, und dafür noch 2 % Jahresgebühr erhoben. Den Unterschied siehst du nur, wenn du die beiden Kurven nebeneinander legst. Ein isolierter positiver Prozentwert sagt nichts darüber aus, ob ein Produkt gut oder schlecht war.
Benchmark-Typen im Vergleich
| Index-Typ | Berücksichtigt Dividenden? | Berücksichtigt Quellensteuer? | Geeignet als Benchmark für ETFs? |
|---|---|---|---|
| Price Return (PR) | Nein | Nein | Nein, systematisch zu niedrig |
| Gross Return (GR) | Ja (brutto) | Nein | Nein, kein Fonds kann steuerfrei operieren |
| Net Total Return (NTR) | Ja (netto) | Ja | Ja. einzig fairer Vergleichsmaßstab |
Ein ETF, der gegen einen PR-Index gemessen wird, sieht immer wie ein Outperformer aus, weil der Index die reinvestierten Dividenden unterschlägt. Seriöse ETF-Anbieter und Portale wie justETF verwenden standardmäßig den NTR.
Benchmark-Schattenboxen in der Fondswelt
Die Wahl des richtigen Referenzindex ist der Hauptgrund, warum 90 % der aktiv verwalteten Fonds in Deutschland noch existieren. “Benchmark Hugging”, das Anschmiegen an einen Index bei gleichzeitig hohen Gebühren. ist weit verbreitet:
Viele “exklusive” Aktienfonds kopieren heute fast exakt einen günstigen Weltindex. Ihre “Active Share”. eine Kennzahl, die misst, wie stark ein Fonds vom Index abweicht. liegt oft bei 5–10 %. Der Kunde zahlt Gebühren für aktives Stockpicking und bekommt zu 90 % einen versteckten, aber teureren Indexfonds. Laut SPIVA-Report schaffen es nach 15 Jahren rund 86 % aller professionellen US-Large-Cap-Manager nicht, ihre Benchmark nach Kosten zu schlagen.
Die 2 Tricks beim Index-Versteckspiel
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Den Maßstab kleinrechnen: Ein Fonds mit hohen Verlusten in Asien wird plötzlich gegen einen allgemeinen Weltindex verglichen, der in diesem Jahr noch stärker gefallen ist. so sieht der Fonds “besser als der Markt” aus.
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Den falschen Index-Typ nutzen: Fondsmanager lieben den Price Return Index (kein Dividenden-Reinvestment) als Vergleichsmaßstab für ihre eigene Gesamtrendite-Performance. Wer reinvestierte Dividenden gegen einen reinen Kursindex antritt, gewinnt nahezu automatisch ohne echte Leistung.
Praktische Implikation
Messe kein Finanzprodukt an seiner isolierten Prozentzahl. Öffne das Factsheet (KIID) deines ETFs oder Fonds und prüfe, gegen welchen Index genau verglichen wird, und ob es der NTR-Wert ist. Auf justETF findest du für jeden ETF die Tracking Difference gegen den korrekten Net Total Return Index. Das ist das einzig relevante Argument für die Produktwahl.
Benchmarks zerlegen den Mythos, dass Profis den Markt kontrollieren. Das Delta für Privatanleger: Wenn dir jemand ein Finanzprodukt verkauft, frag nicht nach der absoluten Rendite. frag nach der Rendite im Vergleich zum NTR-Benchmark nach Kosten, über 10 Jahre. Diese eine Frage beantwortet in 86 % der Fälle die Kaufentscheidung von selbst.